Fluten-Log

Gelegentlich etwas Neues oder Altes, Text oder Foto, ausgearbeitet oder Notiz.


 Sonntag, 9. Dezember 2018

In: „Zurück zur Natur? Erkenntnisse der Naturpsychologie“ von Antje Flade (2018) lese ich über eine Studie aus Schweden zu zwei Kindertagesstätten, eine mit grünem Außenbereich, die andere nicht. Kinder in der „grünen“ Institution waren seltener krank, körperlich geschickter, einfallsreicher und fähiger, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren.

Gefördert wird bei uns dagegen das Kinderhaus, das Lernen „drinnen“.

Eigentlich finde ich die pädagogische Aufwertung der Kindergartenzeit begrüßenswert. Die Art und Weise wie sie meistens umgesetzt wird, schafft es allerdings, aus einer im Grunde guten Entwicklung eine negative zu machen.


Montag, 3. Dezember 2018

Die Lieder der Gräser sind vor ein paar Tagen erschienen, ein neues Gedichtbuch. Die kostenfreie pdf-Version ist, wie auch die pdf-Version des kürzlich erschienenen Haiku-Buchs „Spatzengeplauder“, ladbar unter Quelle.

Als nächstes wird ein berufliches Projekt zum Abschluss kommen, ein Online-Kurs zur Unterstützung von Abnehm-Programmen mit psychologischen Techniken.


Samstag, 1. Dezember 2018

In Berlin wurden 100 Radfahrer zwei Monate lang untersucht. Es ging darum, wie eng sie von Autos überholt werden. Dabei zeigte sich, dass der vorgeschriebene Sicherheitsabstand von 1,5 Meter in mehr als der Hälfte der Überholvorgänge unterschritten wurde. Besonders interessant finde ich einen Satz aus der „Analyse“ des Tagesspiegels:

„Diejenigen, die aus Angst nah entlang der Parkreihen radeln, werden enger überholt.“ (Tagesspiegel, abgerufen 01.12.2018: https://interaktiv.tagesspiegel.de/radmesser/kapitel7.html)

Ich denke doch, dass nicht nur die Fahrradfahrer, die aus Angst, sondern auch die etwa aus Rücksichtnahme den Autofahrern gegenüber nah an parkenden Autos fuhren, besonders eng überholt wurden. Der Zeitungsschreiber des eigentlich verdienstvollen Projekts unterscheidet nicht zwischen Fakten und seiner Interpretation von Fakten – oder will uns seine Interpretation aufdrücken. Das ist bei Zeitungsartikeln allerdings allgegenwärtig.

Aufhorchen lässt der Satz inhaltlich trotzdem. Als Fahrradfahrer sollte man sich ihm zufolge (und die Grafik zum Text belegt das) also keinesfalls rücksichtsvoll oder ängstlich verhalten, sondern sich möglichst breit machen und sehr selbstbewusst auftreten. So lebt es sich am sichersten.

Schade, schade!


Donnerstag, 22. November 2018

Erstveröffentlichung in Haiga im Focus (Netzseiten von Claudia Brefeld), Auswahl Dezember 2017.


Sonntag, 18. November 2018

Eigentlich wollte ich mich nur zwischen zwei Korrekturen eines anspruchsvollen Projekts erholen und las deshalb in den heiteren Spatzengesprächen, die ab Mitte 2014 nach und nach entstanden sind. Das sind Prosa-Texte, in denen sich die beiden Spatzen Anton und Karl über die Menschen und ihre Welt klar zu werden versuchen.

Aber ich las mich fest, ich begann zu überarbeiten, neue Gespräche zu schreiben – und binnen zweier Tage wurde daraus ein eBuch: Anton und Karl – Spatzengeplauder für Kindsköpfe.

Noch ein Spatzengeplauder, ein paar Tage nur nach dem gleichnamigen Haiku-Buch! Wahrscheinlich hatte mich die Namensassoziation ausgerechnet zu diesem Manuskript geführt. Es hätte genügend andere zur Entspannung gegeben. Aber da ist es nun!

Volker Friebel (2018): Anton und Karl – Spatzengeplauder für Kindsköpfe. Edition Blaue Felder, Tübingen; eBuch, epub-Format: 51.000 Zeichen, 3,99 €.

Mal schauen, ob ich den Schwung nutzen kann, auch noch eine Papier-Version zu erstellen. Eigentlich sollte ich wieder zur Korrektur des anspruchsvollen Projekts zurück. Aber:

„Weißt du, was ich am liebsten pfeife?“, fragt Karl.

„Was denn?“, fragt Anton.

„Unsinn, nichts als Unsinn!“

„Warum denn das?“ Anton beugt sich neugierig auf dem Scheunendach vor.

„Weil Unsinn der Weisheit nahe kommt, aber nicht so anstrengend ist“, piept Karl und reckt die Brust vor. „Außerdem macht er mehr Freude.“


Freitag, 16. November 2018

Clara ist nicht nach Hause gegangen. Auf einer Wiese steht sie, fern von der Stadt. Sie hat ihre Schuhe ausgezogen und geht nun über das Gras.

Das Gehen ist es. Kein Wohin, kein Wozu. Am besten wäre es, wenn es gar kein Zurück geben müsste, wenn alles Planen völlig entfiele.

So wie der Schmetterling fliegt, immer ganz im Zentrum der Welt. Nach allen Seiten sind Wege im Himmel, alle sind gleich, jeder ist eine Verheißung, jede Sekunde ist Vollkommenheit, die Heimat ist immerzu hier, in jeder Wendung, in jeder Bewegung der Flügel.

Was dich festhält! Gerade dich Menschen! Der von der Freiheit nur redet, in der dieser Schmetterling sich jeden Flügelschlag lang wiegt. Eine Freiheit, die Menschen nur als Abstraktion kennen, als politisches Programm, in der sie aber keinen Lidschlag ihres Lebens sind.

Clara summt ein Lied von der Liebe.

Und verstummt.

Die leichten Schritte spüren, im Gras.

Liebe ist Bindung.

Ist Liebe Fessel?

Die Erde bindet mit ihrer Schwerkraft, mit diesem Rosenblatt, das du pflückst, mit der Süße von Trauben. Wie könntest du die Schwerkraft vermeiden? Wie wolltest du die Schwerkraft vermeiden? Du würdest nicht einfach bloß schweben, du verlörest dich zwischen auseinanderstrebenden Staubflocken im All.

Dieser Schritt in das Gras – diese Berührung der Erde …

Anerkennen wir nicht mit jeder Berührung gerade die Unfreiheit, die freudevolle Verbindung zwischen allem, was ist? Ist denn das Taumeln des Schmetterlings nicht linkisch? Und seine Freiheit nicht blindes Verlangen?

Vielleicht gibt es auch eine Beliebigkeit in der Bindung. Und die Ferne und Kühle der Seele, ihr erkennbarer Abstand von den Geschäften der Welt, ist ein Fernhalten von eben diesem Beliebigen.

Was für Bindungen sind denn gültig und klar, not-wendig in aller Schönheit des Wortes?

Die Erde, der Baum, der See, der Bach, diese anderen Augen des Mannes, das Wasser, das Brot, die ziehenden Wolken …

„Dümpeln im Baggersee – den aber für den Himmel halten und meinen, man würde schweben“, hatte abschätzig die Architektin gemeint, der sie neulich vom Jubel der Notwendigkeiten zu erzählen versucht hatte, und nach ihrem Kontostand gefragt.

Dass Erfahrungen einfach nicht mitteilbar sind. Wir können immer nur an das rühren, was andere schon kennen. Wir können nur erinnern. Aber vielleicht doch manchen auch aufmerksam machen – und damit empfänglicher für ähnliches Erleben?

Die Kühle des Grases macht wach. Vögel singen. Der Jubel wird dunkler, als eine Wolke sich vor die Sonne schiebt, wird heller, als die Sonne sich wieder löst.

Aus: Volker Friebel (2015): Das Gewicht der Wolken. Eine Erzählung in Augenblicken und Episoden. Tübingen: Edition Blaue Felder. PapierBuch und eBuch.


Donnerstag, 8. November 2018

Nach fünf Jahren habe ich ein neues Haiku-Buch veröffentlicht! Spatzengeplauder, 160 Seiten mit 601 Haiku aus vier Jahren und fast 5.000 Haiku-Notizen ausgesucht.

Börsenkrach.
Das Gold des Birkenlaubs
hebt keiner auf.

Kinderspielplatz.
Das Ende der Rutsche –
ein Laubhaufen.

Kohlewaggons –
bunt bemalt
zwischen fallendem Laub.

Laub liegt
auf dem Besen, den die Kinder
vergaßen.

Kaffeehauswärme.
Der Klang eines Löffels
im leeren Glas.

Volker Friebel (2018): Spatzengeplauder. Haiku. Edition Blaue Felder; PapierBuch: 160 Seiten, 12,00 €; eBuch, epub-Format: 49.000 Zeichen, 5,99 €.

Bestellmöglichkeit auf www.blaue-felder.de, in den Buchhandlungen, mit Vorschau auch beim Drucker:


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