Fluten-Log

Gelegentlich etwas Neues oder Altes, Text oder Foto oder Musik, ausgearbeitet oder Notiz. Soweit nicht anders angegeben, stammen alle Beiträge von Volker Friebel.

Fluten-Log: Aktuell, Archiv: 15, 14, 13, 12, 11, 10, 09, 08, 07, 06, 0504, 03, 02, 01 (ab 07.06.2018)

 


Dienstag, 8. November 2022

Changierend im Waldsee –
die Zuversicht gespiegelter
Farben.

 


Donnerstag, 27. Oktober 2022

Fallendes Blatt –
schwebend baden
im Licht.

Fahradfahrt Goldersbachtal im Schönbuch, vom Ziegelweiher heim; das Foto zeigt eben den Ziegelweiher

 


Mittwoch, 19. Oktober 2022

Der Fischer

Um die 30 Jahre alt wird er sein, schwarze Haare und Schnurrbart, in seinem ramponierten Auto sîtzt er an einem wilden, wenig belebten Strand von Kos, eine große und eine kleine Angel ausgeworfen, an Haltern befestigt, einen Eimer und eine Tonne für den möglichen Fang dahinter aufgestellt.

Er schaut nicht auf das Meer, er schaut in diese Leere vor sich, vor dem Glas seiner Windschutzscheibe, und raucht. Die Zigarettenkippen und -schachteln um das Auto verraten, dass er nicht den ersten Tag hier ist, vom Vormittag bis in den Abend.

Auch das Meer beachtet ihn nicht (denke ich), es rauscht, wirft Schaum und Sand auf den Strand, die zurückspülen und in der Weite vergehen.

 


Dienstag, 18. Oktober 2022

Asklepieion Kos.
Doch selbst die Steine bröseln
ins Meer.

Asklepieion Kos.
Eine Zikade im Staub,
im brandenden Licht.

 


Dienstag, 18. Oktober 2022

Wieder eine Revision eines Audio-Albums: Von Pech und von Gold. 10 Lieder. Das vierte Album der Tausend Lieder.

Das Album ist etwa auf meinem Audio-Kanal bei YouTube zu hören (dort suchen):

https://www.youtube.com/channel/UCa9r52JGr9BVzUg6PTWFFAg/playlists

Revisionen der Alben Tausend Lieder 5 und 6 stehen noch aus (dauert), das Album 7 sollte in Ordnung sein.

 


Montag, 17. Oktober 2022

Ein Haiku vom nächsten Morgen dazu:

Hinter Straßenlaternen
das Meer. Die Polizeistreife
biegt ab.

Dienstag, 18.10.2022, Kos, Nähe Byron Apartments

 


Freitag, 14. Oktober 2022

Weltfriedensglocke Berlin

Auf einer Einzelseite

Friedrichshain.
Die Weltfriedensglocke,
ohne Schlegel.

Vor dem Hotelfrühstück unternehmen wir zu zweit einen Spaziergang in den gegenüberliegenden Volkspark Friedrichshain. Als erstes sehen wir an einer Hecke im Gras einen Menschen, im Schlafsack. Wehmütig schön dahinter die bunten Blätter der Bäume. Im Großen Teich schaukeln Mandarinenten, nicht weniger bunt. Ein junger Mann führt seinen Hund am Halsband, lächelt.

Wir treffen am Teich auf einen kleinen Pavillon in asiatischem Stil, mit aufgehängter Glocke, einen Meter hoch, schweres Metall ohne Schlegel, mit der Inschrift „Frieden“, auf Deutsch und Japanisch. Eine Weltfriedensglocke, erfahre ich.

Ein Japaner, Chiyoji Nakagawa, schuf die erste davon, die er aus seinem Schwert und Münzen aus 26 Ländern der Erde goss, und eine zweite, die 1954 als Geschenk des japanischen Volkes vor dem Sitz der UN in New York aufgestellt wurde, gegossen aus Münzen aller Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen.

Der Schöpfer gründete später einen Verein, weitere Glocken entstanden in einigen Ländern der Erde. Auch hier im Friedrichshain, damals DDR, als Geschenk der Gesellschaft, am 1. September 1989 zum 50. Jahrestag des Beginns des 2. Weltkriegs eingeweiht. Jährlich zum Abwurf der Atombombe auf Hiroshima führt die Gesellschaft ein Treffen durch.

Wir schlagen das Metall mit der flachen Hand, einen Ton für jede der vier Himmelsrichtungen der Erde, und lauschen, bis die Glocke verklingt, inmitten von fallendem Laub.

Und erinnern uns, dass wir schon einmal vor einer Glocke für den Frieden in der Welt standen, auf dem Tai Shan, einem der heiligen Berge Chinas, dass wir schon einmal für den Frieden Metall klingen ließen, aus dem andere lieber Kanonen bauen oder Pflüge.

Es scheint nichts geholfen zu haben. Um den Frieden steht es heute schlechter als damals, und es wird, wie es aussieht, noch schlimmer werden.

So viele Denk- und Mahnmale gibt es in Berlin, aber vom Frieden entfernen wir uns, und von Gerechtigkeit, seiner Grundlage, scheinen wir weiter entfernt, als zu Zeiten der Barrikaden. Das Verbindende zwischen den Menschen schwindet und die Not wächst. Das Dach des Pavillons, aus Kupfer, wurde 2012 von Metalldieben gestohlen.

Die einfachen Menschen sind taub und stumm geworden und kennen sich nicht, nur noch die Reichen und Mächtigen verändern die Welt, mit ihrer Gier, ihrem Hass, ihrer Eitelkeit.

Doch wie der Flügelschlag des Schmetterlings und das fallende Blatt nicht verloren sind, sondern, unsichtbar, ihre Spur in der Welt weiterziehen, in allem, was sie berühren, so mag es auch mit den Tönen des Friedens sein.

Vielleicht werden sie von den Wogen der Kriegsschiffe eine Zeit überspült. Aber die Hoffnung, dass sie unter den mächtigen Brechern immer noch wirken und, wenn die Menschen der Faszination der Gewalt müde geworden sind, wieder hörbar werden, ist da, weil das immer so ist, weil das immer so sein wird, auch neben dem letzten Baum inmitten Ruinen.

Fallendes Laub.
Sie füttert Spatzen inmitten
der Welt.

Ein loser Pflasterstein
liegt im Gras,
bedeckt von Herbstlaub.

 


Dienstag, 11. Oktober 2022

Heute habe ich die eBuch-Version einer neuen Publikation hochgeladen:

Volker Friebel (2022): Fantasiereisen für Jugendliche und Erwachsene. Entspannung mit Inneren Bildern. Edition Blaue Felder, Tübingen.

Die Druckversion braucht noch zwei Wochen, und dann nochmal ein bis zwei Wochen, bis sie in den Versanden erhältlich ist.

 

 


Samstag, 8. Oktober 2022

Zwei Haiku und ein Foto aus der heutigen Wanderung von der Tübinger Nordstadt nach Unterjesingen.

Herbstlaub raschelt
in meine Gedanken vom Frühling,
vom Winter.

Sonnenblumen
starren, schwarz geworden
vom Licht.

 


Donnerstag, 6. Oktober 2022

Die Revision eines weiteren Audio-Albums ist online. Diesmal sind es keine Lieder, sondern eine gesprochene Lyrik-Sequenz aus dem Buch Manchmal Tau (2019), mit Musik unterlegt.

Zum Hören der Verweis auf meinen Audio-Kanal bei YouTube zu hören (dort suchen):

https://www.youtube.com/channel/UCa9r52JGr9BVzUg6PTWFFAg/playlists

 


Dienstag, 4. Oktober 2022

Die Revision eines Audio-Albums ist erschienen: Blumen und Sand. 10 Lieder. Das dritte Album der Tausend Lieder.

Das Album ist etwa auf meinem Audio-Kanal bei YouTube zu hören (dort suchen):

https://www.youtube.com/channel/UCa9r52JGr9BVzUg6PTWFFAg/playlists

 


Donnerstag, 29. September 2022

Gestern sann ich im Regen auf dem Schlossberg in Freiburg eine Weile vor einem Fotomotiv. Ich erinnerte mich an denselben Ort und dasselbe Motiv. Und drückte den Auslöser der Kamera. Und dachte an die Wandlung der Zeit und mehr noch der Menschen zwischen den beiden Bildern.

Im April 2011 schoss ich das erste. „Jedes Herz ist revolutionär“ hatte jemand auf ein kleine Kanone gesprüht. Die steht, zu erkennen auf dem zweiten Bild, Ende September 2022 geschossen, auf einem Kinderspielplatz unterhalb des Kanonenplatzes. Eine Kinderkanone. Der Regen und der Wind haben inzwischen alle Farbe beseitigt.

Wo mag der Sprüher nun sein? Ob er immer noch auf Veränderung aus ist? Im Kulturbereich der städtischen Verwaltung vielleicht? Oder hebt er Gräben aus und wickelt Stacheldraht ab?

Die Menschen haben sich verändert. Sie wollen keine Veränderung, sie schließen sich ab, igeln sich ein. Das macht mit ihnen die Zeit. Es geht von uns aus, uns im Westen, und breitet sich nach und nach aus über die ganze Welt.

Was wäre denn ein revolutionäres Herz?

Es wäre weit, nicht eng. Es wäre neugierig auf das Fremde. Es hätte keine Angst, durch ein besseres Leben von anderen die eigene Macht zu verlieren.

 


Montag, 26. September 2022

 

Gestern ist ein neues Audio-Album mit sieben Traumreisen für Kinder zum Einschlafen erschienen: Gute Nacht mit Entspannung und Traumreisen 2. Die Texte stammen aus dem gleichnamigen Buch.

Das Album ist bei den Vertrieben und Streamingdiensten erhältlich. Und auf meinem Audio-Konto bei YouTube (dort suchen):

https://www.youtube.com/channel/UCa9r52JGr9BVzUg6PTWFFAg/playlists

 


Samstag, 24. September 2022

 

Gestern ist die Revision eines Lieder-Albums erschienen: Siehst du die Hörner (2021). Unten verschiedene Möglichkeiten, das zu hören, falls man dort irgendwo einen Zugang hat:

https://listen.music-hub.com/cZa7kX

Auf jeden Fall sollte es auf meinem Audio-Konto bei YouTube funktionieren (dort suchen):

https://www.youtube.com/channel/UCa9r52JGr9BVzUg6PTWFFAg/playlists

 


Dienstag, 20. September 2022

Gefunden bei der Durchsicht alter Notizen:

Leere Nischen der Götter.
Schließ ich die Augen, überschwemmt mich
das Licht.

Es ist die Leere unserer Zeit, in der erst wieder etwas erscheinen kann. Ob es das Alte neu ist oder etwas Neues an die Quellen anknüpfen wird oder ganz etwas anderes – niemand weiß es.

Geschrieben am Sa. 20.09.2014, Rom, im Pantheon

 


Montag, 19. September 2022

Vor einer (mäßigen) Veranstaltung zu Hölderlin, Benjamin und Brecht gingen wir in den Garten des Hölderlinturms und legten uns in die beiden Liegen unter dem Quittenbaum. Der Blick ging über Mauer und Alte Burse hinweg in den Himmel (die Pflastersteine darunter schliff der Tritt von Melanchton, Kepler, Hölderlin, Hegel, Schelling und anderen ab). Und vorher hab ich von einem Rebstock an dieser Mauer eine Weinbeere gekostet. Sie war süß.

Am Hölderlinturm
ein Quittenbaum, eine Mauer
aus Stein.

 


Freitag, 2. September 2022

Beim Überarbeiten eines alten Lyrikbuchs finde ich:

[…]

6

Die Botschaften der Gräser,
die Stellungnahmen von Falke und Maus …
In den Büchern kämpft Gut gegen Böse.
Doch in der Welt über den Seiten
scheint nur Falschheit gegen Falschheit zu stehen.

Wenn einer sich ziehen lässt
in ihren Kampf, gebären sie eine Wirklichkeit,
die sich über die Schönheit der Welt legt,
die den Blick für die wilden Blumen
verstellt.

Nur das, was nicht kämpft, ist wahr,
weil es nicht in Frage gestellt ist,
weil es wie die Schwerkraft und die Bäume im Wald
den Raum bildet für das, was kämpft,
was eine Wahrheit erst sein will.

7

Wie sie gegenseitig sich halten,
wie sie gehalten werden von Fäden.
Geld zerrt an Geld, Bomben sind Friedensgebete,
Kampfpiloten erfüllen „Jobs“, in der Wahrheit
steht niemand. Schuld ist der Schwächere,
der Nachlässigere bei der Kontrolle
der Nachrichtenströme, endgültig schuld der Verlierer,
Historiker denken sich Gründe aus.
Je mehr sich das Gute in der Welt verbreitet,
umso mehr nehmen die Kriege zu, „zum Schutz der
Zivilbevölkerung“, und die Drogen,
umso mehr Papier wird zu Stimmzetteln
verarbeitet, auf denen die Menschen über die Farben
des Bösen entscheiden, umso mehr stirbt die Wahrheit
der Bäume. Das Regime erlässt Richtlinien
für die Bäume im Garten, was eben die Freiheit ist,
die es meint, die Freiheit der Richtliniengeber.
Aber die wilden Blumen
kennt niemand.

[…]

Aus der Sequenz „Geöffnetes Buchenauge“ in: Volker Friebel (2011): Die sieben Töne des Waldes. Gedichte, Haiku und ein Essay.

 


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Weitergewandert
der Schatten, nun sitz ich
im Licht.

Di. 17.09.2002, Albwanderung Tieringen – Dotternhausen, Steinbruch Plettenberg, auf einem Stein sitzend

 


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