Fluten-Log

Gelegentlich etwas Neues oder Altes, Text oder Foto, ausgearbeitet oder Notiz.

 

Sonntag, 15. September 2018

Foto und Haiku von gestern, aus einem schönen Spaziergang am Schönbuchrand über Tübingen-Hagelloch.

 


 

Mittwoch. 12. September

Kuhglocken läuten.
Unhörbar der rieselnde Stein
des Gebirges.

Schmetterlinge – Regentropfen auf Blättern und Hagebutten – fahle Gräser – erste Herbstblätter liegen auf dem Pfad – Wurzeln – Felsen – der weite Ausblick nach beiden Seiten – Kühe an den Hängen – das gläserne Licht. Die Schönheit ringsum lässt alle Worte verstummen. Nur unser Atem und das Geräusch unserer Schritte. Wir wandern an einigen Gipfelkreuzen vorbei.

Zum längeren Wanderbericht geht es hier.

 


 

Dienstag, 4. September 2018

„Der Mensch ist immer freier, als man gewöhnlich meint. Er hängt weitgehend vom Milieu ab, aber nicht so sehr, wie er selbst sich ihm zum Sklaven macht.“

Alexander Herzen. Sie schlägt das Buch zu. Und denkt nicht an Politik, sondern an ihr Herz. Und fragt sich, ob wohl mehr die Bequemlichkeit oder die Angst für die beunruhigende Geradlinigkeit ihres Lebens verantwortlich gewesen ist. Jedenfalls etwas, das man nicht bemerkt. Also doch eher die Bequemlichkeit.

Es ist ja nicht so, dass wir an Fäden gezogen werden. Wir suchen selbst nach den Strömungen des Windes und gehen hinein. Es ist die einfachste Form der Bewegung. Aber das Herz schlägt anders.

Könnte es sein, dass das, was sie an Hans anzieht, eben auch das ist, was ihr Angst macht? Dass das, was sie fasziniert, sie auch herunterzieht?

Sie erinnert sich an eine Episode aus ihrer Kindheit zurück, auf dem Grundstück der Tante neben den Bahngleisen. Wie sie dort stand und in die Ruhe der vollen Regentonne hineinsah. Wie sie mit ihrer kleinen Gießkanne den berühmten Tropfen noch dazugeben konnte und der Spiegel tatsächlich ins Fließen kam.

Na ja, es war mehr als ein Tropfen nötig gewesen.

Sie lässt das Bild des kleinen Mädchens mit den Zöpfen in sich ganz groß werden, wie es dasteht, in der einen Hand noch die Gießkanne, die andere Hand zur Faust geballt und an die Lippen gepresst.

Aus: Volker Friebel (2015): Das Gewicht der Wolken. Eine Erzählung in Augenblicken und Episoden. Tübingen: Edition Blaue Felder. PapierBuch und eBuch.

 


 

Donnerstag, 9. August 2018

Kleine Teufel

Manches ist so leicht ihre Beute:
die Ziffernreihen des Geldinstituts,
Platz und Stimme am Konferenztisch,
die Segeljacht, ankernd
in der blauen Lagune.

Ein Bollwerk ist immer das Kleine,
das Schwache, das niemand will, das Gedicht,
das treibende Blatt auf dem Wasser,
die Krähenfeder im Haar eines Wanderers,
die bunten Steine im Waldbach.

Aus: Volker Friebel (2009): Nachricht von den Wolken. Gedichte und Haiku. Zweite Ausgabe. Tübingen: Edition Blaue Felder.

 


 

Donnerstag, 2. August 2018

Stoppelfelder.
Im Abenddämmern verschwindet
ein Vogelschwarm.

Ein neuer Reise-Text: Die Honigsteige.

 


 

Mittwoch, 25. Juli 2018

Der dumme Hans hat sich ihnen vor einigen Tagen auf einem Rummel angeschlossen, auf dem er aushalf. So streifen sie nun zu viert durch das Land, das Prinz Vogelfrei einmal regieren soll.

Geheimrat Eule doziert: „Wer von sich sagen kann: Ich bin dumm, und es ist und zwar glücklich, der lebt die höchste Form der Existenz. Die zweithöchste Form ist klug sein und dumm scheinen. Die dritte: Klug sein und klug wirken. Die vierte: Dumm sein, aber glauben, man sei klug. Dieser letzten Lebensform huldigen die meisten Menschen.“

„Ich will klug werden“, sagt Prinz Vogelfrei.

„Das weiß ich“, brummt Geheimrat Eule. „In deiner Position ist das Beste: klug sein und klug wirken. Aber weißt du denn, was dumm und klug eigentlich bedeuten?“

„Das weiß ich nicht“, sagt der Prinz, „aber ich lerne.“

 


 

Donnerstag, 7. Juni 2018

Ich muss das Programm zur Erstellung von Netzseiten wechseln und alles nach und nach neu aufbauen. Grund ist die verlangte Lesbarkeit von Netzseiten nicht mehr nur auf großen Schirmen, sondern auch auf Smartphones. Mein altes Programm leistet das nicht.

Für diese Netzpräsenz heißt das zunächst: Der bisherige Blog kann nicht übernommen werden. Ich fange deshalb neu an, zunächst beschränkt auf Texte.

 


 

Anton und Karl

Zwei Spatzen sitzen im Apfelbaum und spähen durchs Fenster in die Küche von Lehmanns.

„Die Emma kocht!“, zwitschert Anton.

„Der Kochtopf kocht“, widerspricht Karl.

„Die Suppe im Kochtopf von Emma kocht“, präzisiert Anton.

„Wir Spatzen werden die Menschen nie verstehen“, sinniert Karl. „Wie einer sein Futter durch Feuer verderben kann!“

„Sie glauben, es wird besser dadurch“, piept Anton.

„Ich habe auch mal von einem verbrannten Regenwurm gekostet, letztes Jahr, nach dem Feuer am Wiesenrain. Ich kann dir sagen: Die Menschen irren!“, doziert Karl und schüttelt die Flügel.

Und dann hüpfen sie auf ihrem Zweig auf und ab, denn die Emma hat sich beim Kosten verbrannt.

„Zu heiß, die Suppe kann sie nun wegschütten“, piept Anton.

Und sie flattern davon, Fliegen jagen.