Fluten-Log

Gelegentlich etwas Neues oder Altes, Text oder Foto oder Musik, ausgearbeitet oder Notiz. Soweit nicht anders angegeben, stammen alle Beiträge von Volker Friebel.

Fluten-Log: Aktuell, Archiv: 09, 08, 07, 06, 0504, 03, 02, 01 (ab 07.06.2018)


Sonntag, 9. Mai 2021

Katzen streunen durch den Hafen, schauen zu den chinesischen Fischernetzen und zu den kleinen Lokalen mit Fisch und Reis für die Arbeiter und die Touristen. Es ist schwül-heiß. Tief unter den Auto- und Motorradhupen klingt der Bass von den Dieselmotoren der Containerschiffe und Fähren. Menschen von überall sind hier, Europäer, Inder, Araber, Chinesen, sie schlendern, arbeiten, sitzen im Schatten, beobachten andere, Frauen mit schwarzen Umhängen, nur Schlitze für die Augen, nehmen etwas Reis vom Blechteller auf, mit einem Schuss Soße, essen. Die Kräne am Containerhafen sind riesig. Es gibt Eis für die jungen Damen. Postkarten. Sehnsüchte im Atem der Ferne, der hier irgendwie heimisch geworden zu sein scheint, wo Vasco da Gama vor Jahrhunderten landete und starb. Wir werden sein Grab besuchen. Das Grab wird leer sein. Kleine Fliegen tänzeln um mich herum. Wir haben die Fischer an den Chinesischen Netzen beobachtet. Wir haben uns selbst beobachtet, in einem Traum an einem der Enden der Welt, die schon immer ihr Zentrum waren.

Eine Notiz vom Do. 12.01.2017 aus Kochi (Indien), am Hafen auf den Stufen sitzend

 


Mittwoch, 28. April 2021

Hinter dem ersten Grün der Bäume die Donau bei Beuron. Fast jeden Tag einen größeren Ausflug, das heißt wohl: Der Frühling ist da!

 


Montag, 26. April 2021

Eine Fahrradrunde von Tübingen über Bebenhausen und den Schönbuch nach Herrenberg, dort Rast am merkwürdig stillen Marktplatz. Ein Auto mit Frankfurter Kennzeichen taucht auf, jemand steigt aus, fotografiert ein geschlossenes Eislokal, steigt wieder ein, fährt weiter. Das sind die wirtschaftlichen Auswirkungen des SARS-Cov-2-Virus. Wir radeln zunächst über das Ammertal zurück, in Altingen dann ein Schwenk Richtung Schönbuchtrauf nach Entringen, um zwei schlechte Ortsdurchfahrten zu umgehen. In einem Feld hinter Entringen entdecke ich, abgestiegen, zufällig eine Anzahl leerer Schneckenhäuser. Ich assoziiere einen Elefantenfriedhof. Elisabeth meint, das seien vielleicht Kinder gewesen, die die Häuser am nahen Bahndamm gesammelt und hier abgelegt haben.

 


Sonntag, 25. April 2021

Eine Rundwanderung mit Elisabeth von Gönningen zu den Seen (wir treffen auf viele Leute und ein Entenpaar mit sechs Küken), die Seen hinauf bis nach Genkingen auf die Alb, von dort dann über den Rinderberg auf die Hochfläche vor dem Rossberg. Eine lange Rast im Gras an den Kiefern. Das sind alte Wege, lange nicht mehr begangen. An den Kiefern hab ich das erste Mal mit Regine improvisiert, ich einen Klangteppich auf der Klassikgitarre, sie darüber die Querflöte. Diese ersten Sachen sind nicht erhalten. Von späteren Improvisationen gibt es einige Alben und ein Video auf YouTube (mit Bildern vom Rossbergturm): https://www.youtube.com/watch?v=BVFjmND9raI

 


Samstag, 24. April 2021

Eine Wanderung am Bodensee, von Moos bei Radolfzell über das Kirchlein auf der Anhöhe von Horn nach Gaienhofen, wo wir vor einigen Jahren eine Ferienwohnung hatten, gleich neben dem Wohnhaus von Hesse. Viel Leute waren unterwegs. Am schönsten doch der Gang abseits des regulären Wander- und Radwegs den Hang hinauf, ins Offene, auf der Suche nach dem Kirchlein mit dem fantastischen Ausblick. Das Foto aber ist von unten, vom Seeweg.

 


Freitag, 23. April 2021

Eine Woche zuvor waren wir gar nicht erst auf das Kirschenfeld bei Nehren geradelt, sondern hatten, über den Rammert ins Steinlachtal hinuntergerollt, den direkten Weg nach Tübingen zurück gewählt – mangels Blüten. Jetzt gibt es zwar welche, aber manche davon sind schon braun (Frostschäden?), viele, glücklicherweise, brechen gerade erst auf. Die Jahre zuvor aßen wir unter den Blütenbäumen Rhabarberkuchen. Auch das geht dieses Jahr nicht. Merkwürdig wenige Bienen summen.

 


Dienstag, 20. April 2021

Zum Projekt Tausend Lieder hab ich gestern das erste Album beendet. In etwa zwei bis drei Wochen sollte es in den Läden im Netz erhältlich sein, nur elektronisch (Herunterladen oder Streamen). Es sind zehn Lieder unter dem Album-Titel Lass an den Quellen uns sein. Hier geht es zum Hintergrund des Projekts und den Texten des Albums. Und hier ist das erste Lied zu hören: Ich werde.

 


Sonntag, 18. April 2021

„Immer, wenn man die Meinung der Mehrheit teilt, ist es Zeit, sich zu besinnen.“ (Mark Twain)

Besinnen, nur besinnen! Denn zu aller Überraschung, selbst ihrer eigenen, könnte die Meinung der Mehrheit gelegentlich richtig sein.

Ein Eintrag vom Montag, 9. November 2015

 


Donnerstag, 15. April 2021

Ringsum Stille. Nur das Klacken der Tastatur. Wir haben einen weiten Weg zurückgelegt von der Bärenjagd bis zur Einsamkeit versiegelten Türen, bis zum Virus und den kommerziellen Ausmalungen im Video, was alles noch sein könnte. Lausch der Lüftung des Rechners! Riech den Duft der Blumen am Fenster! Es ist Frühling, sein Wind weht über alle Barrikaden der Menschen hinweg.

 


Sonntag, 11. April 2021

Dass sich alles in Zahlen ausdrücken lässt, ist ein verbreiteter Unsinn. Natürlich lässt sich das. Alles lässt sich auch in Düften ausdrücken. Oder in Abstufungen von Grün. Eine 1 wäre etwa Holunderduft, eine 2 Erdbeergeruch, und zusammen gäbe das eine 3, das ist Petersilie.

Das geht. Der Irrtum fängt erst dann an, wenn man mit den Gesetzen der Sprache zu hantieren beginnt, in die man etwas übertragen hat. Wenn man mathematische Gesetze verwendet, um eine Kodierung von Gerüchen zu erarbeiten. Die Ergebnisse sind Ergebnisse der Mathematik, nicht der Rosen.

Nach einer Notiz aus dem Juni 2010

 


Mittwoch, 31. März 2021

Zwei Audio-Alben sind in den letzten Tagen erschienen, beide mit musikunterlegten Imaginationen.

Innere Bilder zum leichteren Einschlafen 1

Audio-Album mit 3 Stücken für Erwachsene. Zu Amazon: Seite des Albums bei Amazon, mit der Möglichkeit, in Stücke hineinzuhören. Laufzeit: 92:44 Minuten. EAN: 406494610860.

Inhalt des Albums
1. Die Musik des Waldbachs – innere Bilder zum leichteren Einschlafen 35:54
2. Der See im Wald – innere Bilder zum leichteren Einschlafen 35:15
3. Einschlaf-Entspannung 21:28

Entspannung mit inneren Bildern 1

Audio-Album mit 7 Stücken für Erwachsene. Zu Amazon: Seite des Albums bei Amazon, mit der Möglichkeit, in Stücke hineinzuhören. Laufzeit: 69:39 Minuten. EAN: 406494609451.

Inhalt des Albums
1. Der See im Wald 11:16
2. Die große Wiese 9:47
3. Mein Garten der Ruhe 10:27
4. Mein Schweres und mein Ruheort 7:56
5. Das Lächeln 7:54
6. Die Hütte in der Bergwiese 9:56
7. Die Musik des Waldbachs 12:17

 


Dienstag, 30. März 2021

Aus Utopia 2200, das ich hoffentlich dieses Jahr beenden werde:

„Wie war dein Mann?“, fragt Daphne neugierig.

„Das war ein erstes Treffen“, sagt Cloe und lacht. „Verabredet hatten wir uns im Kaffeehaus, aber wir zogen gleich ins Exclusio um.“

„Muss ich das kennen?“, fragt Daphne.

Cloe schaut sie an und wiegt den Kopf. „Eher nicht“, sagt sie dann. „Ein Restaurant für ganz besondere Gerichte. Ich denke, Spaghetti mit Tomatensoße haben die nicht. Und war doch überrascht, als er nach der Frauenkarte fragte. Und sich einen Braten Bettina bestellte. Zum Gericht sind dort die Gesichter der Frauen abgebildet, von denen das Fleisch stammt.“

„Du machst Witze.“

Cloe lacht.

Daphne überlegt. „Gezüchtetes Fleisch – von menschlichen Spendern?“, fragt sie dann.

„Na also, geht doch“, bestätigt Cloe spöttisch. „Auch Tiere werden schließlich nicht geschlachtet, sondern liefern nur die Kulturen für den Tank. Spätestens alle fünf Jahre – ich habe gefragt – muss die Kultur aufgefrischt werden. So bleibt ein Bedarf nach neuen Spendern.“

„Und die zeigen Fotos der menschlichen Spender?“, fragt Daphne.

„Es gibt auch eine Männerkarte.“ Cloe blinzelt.

„Widerlich!“ Daphne schüttelt es unwillkürlich.

„Kleine Bürgerin Daphne“, sagt Cloe liebevoll. „Du kennst das wahre Leben nicht.“

 


Mittwoch, 24. März 2021

Wir kamen von Überlingen, den Weg am See. An der Wallfahrtskirche Birnau, einem beliebten Ausflugsziel auf einer Anhöhe am Bodensee, rasten wir, im Grasstreifen jenseits der Steinmauer, über die die Touristen vom Platz vor der Kirche auf den See schauen. Reihen von Rebstöcken hinunter zum See. Noch kein Grün, aber lila Blumen an den Füßen der Stöcke, in Streifen den Hang hinab bis zum Weg und der Bahnlinie, hinter der das Kloster wohnt, dann kommt der Radweg am Ufer und der See selbst, das Glitzern des Sees. Dunst überm Wasser. Vogelsang. Das Schweizer Ufer, und am Horizont weiß der Säntis. Hinter uns die Wallfahrtskirche Birnau, die das Brausen der Autos auf der Straße etwas dämmt. Ein Schmetterling taumelt vorbei. Leichter Wind, mit der ersten Wärme Ende März. Eine Biene summt, steigt hoch in das Blau, verliert sich darin. Ich hab in der Kirche den Honigschlecker fotografiert und studiere nun die Wanderschilder: Überlingen: 5,5 Kilometer, die andere Seite, Meersburg: 8 Kilometer, oder, landein: Schloss Salem: 7 Kilometer. Alles bekannt.

Über dem See –
wir wandern schweigend zwischen
singenden Vögeln.

Zwischen Sonnenfunken –
die Ente streckt ihren Hals
tief in das Blau.

 


Samstag, 13. März 2021

Natur und Kultur

Die Natur ist immer neu und wird von uns Menschen immer neu erlebt. Ihre Schönheit nutzt sich nicht ab. Der fahle Grashalm im Frühlingswind ist immer schön, auch noch im letzten Jahr meines Lebens bringt er mich zum Strahlen.

Wenn einer von seinem Wohnzimmersessel aus das Alpenpanorama sieht, kann es schon sein, dass er sich ihm vielleicht nur alle paar Wochen bewusst zuwendet. Wir wenden uns vor allem Neuem zu und Bewegtem – bei den Alpen eher unwahrscheinlich. Wenn er sich aber zuwendet, wird er wieder einen Gutteil derselben Schönheit empfinden können wie am ersten Tag.

Den fahlen Grashalm oder das Alpenpanorama in der Dichtung beschreiben können wir aber nicht vergleichbar oft. Nicht jedes Jahr, nicht mit denselben Worten, ohne dass das Erleben der Leser nachlässt. Wir müssen nach neuen Aspekten suchen oder einer neuen Sprache.

Kultur scheint in weitaus höherem Maß als Natur zeit- und gewohnheitsabhängig zu sein. Das wird zum Problem, wenn sich die Kultur vor allem auf Natur bezieht: Die besungene Natur ist zwar immer neu und schön, der Gesang um sie aber nutzt sich ab.

 


Mittwoch, 10. März 2021

Die ersten Veilchen sah ich heute, aus dem Spalt zwischen Fußweg und Gartenmauer ins Freie gebrochen. Und heute kamen die Belegexemplare der 9. Auflage von „Traumreisen mit Kindern“, Ökotopia. Und zur Korrektur vom Beltz-Verlag „50 Motivationskarten für Erzieherinnen“. Auch mit einem Online-Wochenendseminar für die Psychotherapieausbildung Kinder und Jugendlichen der Universität Trier scheint es etwas zu werden. Wie gut bei so viel Beruf, dass ich vor einigen Tagen mit den Vorbereitungen für ein nutzloses Musik-Projekt begonnen habe: 1.000 Lieder.

 


Samstag, 27. Februar 2021

Erst vor zwei, drei Tagen sind bei uns die Krokusse durchgebrochen. Hier sind einige vom Sand, einer kleinen Siedlung am Wald, von der wilden Seite der Gartenzäune.


Mittwoch, 24. Februar 2021

Die Sprache der Amseln

Der Vorfrühling bricht an. Der letzte Schnee schmolz vor Tagen. Nun beginnen wieder die Zeiten der Amseln, die Morgen voller Gesang!

Ich lausche zum Kaffee den Liedern und überlege erschreckt, wie ernüchternd es wäre, wenn die bloßen Melodien plötzlich zu Wörtern und Sätzen würden und wir ihren Sinn verstehen könnten.

Wie schön, dass da nur Melodie ist und kein Sinn! Wie schön, wenn der Sinn dieser Melodien für uns nur in ihrer Schönheit liegt, in ihrer Lebensfreude, in ihrem sprühenden Jubel, dass er sich nicht auflöst in das, was wir aus unseren Zeitungen und Büchern zu lesen gewohnt sind!

Manchmal denke ich, dass die Lieder der Amseln ein höheres Entwicklungsstadium widerspiegeln als alle Mitteilungen der Menschenwelt. Und ich weiß doch, dass unsere Wissenschaft das anders sieht. Auch sie ist bereit, einen Sinn in den Lauten der Amseln zu finden, auch eine Aussage, die aber viel vager und blasser ist als alle Äußerungen von uns selbst.

Und eben deshalb so viel schöner?

Unsere Äußerungen sind reduzierbar auf ein paar Bit Information. Die Lieder der Amseln nicht. Sie enthalten eine Tiefe, die durch jede Reduzierung auf enthaltene Information zerstört würde. Wenn wir sie lesen, fassen wir sie nicht. In ihrer Tiefe zeigt sich die Tiefe der Welt.

Aber dieser Text, der neben den Schlucken Kaffee entsteht, auch er ließe sich reduzieren auf enthaltene bloße Information. Und verlöre dadurch. Auch alle Äußerungen von Menschen enthalten neben der Information etwas anderes, mal mehr, mal weniger. Und wir lauschen ihnen oder lesen sie vielleicht dann am liebsten, wenn dieses andere mehr ausmacht als der Gehalt ihrer Information. Erst was dieses andere hinzufügt, macht einen Text lesenswert. Nach längerem Überlegen nehme ich Sachtexte nicht davon aus.

So sind eben auch unsere Äußerungen nicht ohne Verlust reduzierbar, so leben wir eben doch mit den Amseln in einer gemeinsamen Welt.

 


Mittwoch, 17. Februar 2021

Vor einigen Tagen ist ein Album mit 12 Instrumentalstücken erschienen: In den Spiegeln. Auf Audio sind alle Titel und die Daten zu lesen. Ein Stück, Leander, kann dort auch ganz gehört werden. Vorhören und herunterladen kann man das Album oder einzelne Stücke bei den Vertrieben im Netz, auch etwa bei Spotify oder bei Amazon.

 


Dienstag, 16. Februar 2021

Schnelle Wahrheit

In mehreren Studien mit zusammen 7.565 Teilnehmern: Briten, US-Amerikanern und französischen Studenten, erhoben die Autoren, dass die Schnelligkeit einer Antwort für die Zuhörer ein wesentlicher Faktor ihrer Glaubwürdigkeit ist. Verzögerte Antworten werden als unglaubwürdiger eingeschätzt – und zwar sowohl bei gewöhnlichen Alltagsgesprächen als auch etwa bei einem Polizeiverhör.

Die Autoren interpretieren ihre Befunde so, dass Zuhörer bei verzögerten Antworten vermuten, dass die spontane, wahre, Antwort unterdrückt und eine unwahre Antwort erfunden wird, was Zeit braucht. Als Bestätigung dieser These sehen sie, dass bei Antworten, auf Fragen, die ein Nachdenken erfordern, der Effekt geringer ausfällt.

Über eine Frage gut nachzudenken, wird also von den Menschen im Durchschnitt nicht honoriert. Wer schnell und leichthin lügt, wird als ehrlicher wahrgenommen. Ein peinliches Ergebnis!

Das ist ein Durchschnittsergebnis. Ich vermute, ich hoffe, dass nicht alle Menschen nach diesem Prinzip funktionieren. Immerhin zeigt die Studie, dass Menschen die Wahrheit als etwas Spontanes, Normales betrachten.

Literatur: Ziano, Ignazio & Deming Wang (2021): Slow Lies: Response Delays Promote Perceptions of Insincerity. Journal of Personality and Social Psychology [noch nicht gedruckt, deshalb noch ohne Nummernangaben, aber online: https://www.apa.org/pubs/journals/releases/psp-pspa0000250.pdf.

 


Montag, 15. Februar 2021

Die Farbe der Amsel

An einer Scheibe des Kinderhauses kleben bunte Bilder von Vögeln. Auf der anderen Seite des Fensters singt eine Amsel.

Ihr Gefieder ist schwarz. Aber ihr Lied hat die Farben aus den Bildern aufgenommen und trägt sie weit hinaus in die Welt.

Vielleicht haben die Kinder nicht die Vögel gemalt, sondern ihre Lieder.

Vielleicht ist ein Haus eine Höhle voll Träumen.

Vielleicht könnten wir fliegen lernen, wären nicht unsere Herzen so schwer.

Aus: Volker Friebel (2021): Siebzehn Hundertstel frei. Bunte Steine. Edition Blaue Felder, Tübingen. Mit 23 SW-Bildern. PapierBuch und eBuch. Ein Klick auf das Titelbild führt zur Seite des Buchs mit näheren Informationen und einem Blick ins Buch.

 


Donnerstag, 11. Februar 2021

Eine Politikerin meinte im Deutschen Bundestag „Diese 20er Jahre könnten goldene 20er Jahre werden, wenn wir zeigen, dass man Krisen gemeinsam lösen kann”.

Nicht im Bundestag, sondern in meinem Arbeitszimmer denke ich dagegen: Diese 20er Jahre könnten goldene 20er Jahre werden, wenn es der Wissenschaft gelingt, Gold billig zu synthetisieren. Aber selbst dann wird es schwierig, denn dann wird Gold wertlos.

 


Samstag, 30. Januar 2021

Es war in den letzten Tagen eine Freude, die Schneeglöckchen unter dem Busch vor meiner Wohnung zu beobachten, von den ersten Spitzen am 18. Januar über den Einbruch des Schnees am 25. bis zum heutigen Triumph. Noch ein, zwei warme Tage und sie öffnen sich.

 

 

 

 

 

 


Samstag, 30. Januar 2021

Konrad Lorenz „Der Abbau des Menschlichen“, 1983: „Am merkwürdigsten ist dabei die Tatsache, daß eine solche restlose Hingabe an eine Doktrin dem Indoktrinierten das vollkommene und offenbar restlos beglückende Gefühl persönlicher Freiheit verleiht.“

Friedrich Nietzsche in „Ecce homo“, 1889, über Inspiration: „Alles geschieht im höchsten Grade unfreiwillig, aber wie in einem Sturme von Freiheits-Gefühl, von Unbedingtsein, von Macht, von Göttlichkeit …“

Zwei verschiedene Arten des Freiheits-Gefühls, beide in hohem Maße mit ihrem Gegenteil verknüpft. Wahrscheinlich benennen wir oft falsch, wenn wir sagen, dass wir uns „frei“ fühlen. Wahrscheinlich ist damit in vielen Fällen etwas ganz anderes gemeint, ein Eintreten in ein Größeres, einen Fluss, der uns mitreißt, mit dem wir uns aber eins fühlen.

Ein Text aus meinem gerade erschienenen: Siebzehn Hundertstel frei. Bunte Steine. Edition Blaue Felder, Tübingen. Mit 23 SW-Bildern. Erhältlich im Buchhandel und in den Versanden. Ein Klick auf das Titelbild führt zur Seite des Buchs bei Amazon, mit Vorschau und Bestellmöglichkeit.

 


Freitag, 15. Januar 2021

Beim Umschichten von Texten finde ich heute einen Beitrag vom Montag, 13. Oktober 2014 im alten Fluten-Log:

Ist alle Vielfalt, alle Schönheit des Lebens nur durch Konflikt und Auseinandersetzung zu erklären? Kann sich eine neue Blume nicht einfach nur, weil sie schön ist, bilden und weil sie mit ihrer Schönheit Ja sagen will zum ganzen All?

Vielleicht müssen wir das, wohin wir wollen, erst selbst erschaffen. Vielleicht können wir das nur, wenn wir frei sind von Konflikt und Auseinandersetzung. Aber nicht frei von Träumen.

„Auf die Menschen einwirken kann man nur, wenn man ihre Träume noch deutlicher träumt, als sie selbst, nicht aber, wenn man ihnen seine Gedanken so beweisen will, wie man geometrische Lehrsätze beweist.“ Alexander Herzen (1812-1870) in: Mein Leben: Memoiren und Reflexionen, Band III. Berlin: Aufbau-Verlag, 1962, 8. Teil, 3. Kapitel, V, Seite 649.

„Auf die Menschen einwirken“? Ein demokratischer Agitator (einer der besten). Damals gab es allerdings noch fast die Wahrheit und um ein Haar die Ehrlichkeit. „Einen Raum eröffnen“ fände ich als Anspruch besser. Realistischer ist aber „Auf die Menschen einwirken“.

Die Welt ist aus Träumen gemacht.

 


Sonntag, 10. Januar 2021

„Der Irrsinn ist bei Einzelnen etwas Seltenes, – aber bei Gruppen, Parteien, Völkern, Zeiten die Regel.“

Friedrich Nietzsche (1886): Jenseits von Gut und Böse, Nummer 156. In: Gesamtausgabe in 15 Bänden. Herausgegeben von Giorgio Colli und Mazzino Montinari. dtv, München / de Gruyter, Berlin, 1980, Seite 100.

 


Samstag, 9. Januar 2021

So viele Menschen gehen in die Fremde, für eine Reise, für ein neues Leben, jedenfalls sich zu verändern – und merken dann schnell, dass sie nur die Umgebung gewechselt haben, aber selbst immer noch da sind und dass der Trott, der doch wohl der ihre sein muss, sich schnell wieder einstellt.

Besser wäre es vielleicht, die Leute blieben daheim und die Häuser, die Plätze, die Märkte, die Verwaltungsgebäude, die Badewannen gingen auf Wanderschaft, fort von ihnen. Dann würde sich vielleicht wirklich etwas ändern.

Wie ich so nachsinne, erscheinen vor meinem inneren Auge auf einer Landstraße tatsächlich wandernde Ventilatoren, Heizlüfter, Klosetts, Spiegelschränke, Waschmaschinen, Herde, Kühlschränke, schwerbeladen ächzende Bücherregale, fröhlich plappernde Wasserhähne, Musikanlagen, Nachttischchen, Betten, in denen es sich allerlei Kissen gemütlich gemacht haben – und die Deckenlampe, auch das Aquarium ruht sich aus, während die Müllsäcke fröhlich ihre Beinchen schwingen.

Da fällt mir allerdings ein, wie gern ich selbst reise und wie wunderbar doch ein warmes Bad an einem Wintertag ist, wenn draußen Schnee liegt. Also nun Schluss mit dem Unfug und Wasser in die Badewanne einlaufen lassen – heiß muss es sein, heiß!

 


Dienstag, 5. Januar 2021

Meine persönliche Haiku-Sammlung 2020 ist zusammengestellt, „Kontaktverbot“ heißt sie. 219 der 391 Haiku-Notizen des Jahres haben es hineingeschafft. Die Sammlung wird nicht veröffentlicht, die enthaltenen Texte sind Grundlage für Buchveröffentlichungen und Einreichungen bei Ausschreibungen, dazu werden sie weiter bearbeitet.

Weniger als 391 Haiku hatte ich zuletzt im Jahr 1990 notiert. Die bisher meisten Haiku habe ich im Jahr 2003 aufgeschrieben: 2.878 Texte, behauptet meine Datei. Ich hatte mir irgendwann 2019 vorgenommen, weniger, dafür aber bewusster zu schreiben. „Weniger“ hat geklappt. Ich habe auch tatsächlich den Eindruck, dass die Qualität gestiegen ist. Natürlich: Was ist Qualität? Das ist wahrscheinlich noch schwerer als die Frage zu beantworten, was ein Haiku ist.

Morgendämmerung.
Aus einem Kürbisfeld löst sich
die Sonne.

Pappelflaum treibt.
Aus dem Wald heult eine Säge
vom Krieg.

 


Sonntag, 3. Januar 2021

Jahresrückblick 2020

Die Covid-19-Pandemie und der Umgang der Behörden mit ihr haben tiefe Spuren im Jahr hinterlassen. Von drei angebotenen Präsenzseminaren „Entspannungspädagogik für Kinder“ mussten zwei wegen der Corona-Beschränkungen abgesagt werden, nur eines konnte mit Auflagen (kleine Teilnehmerzahl, Reduzierung des Praxisteils) stattfinden. Das Buch „Traumreisen für Kinder“ war monatelang nicht lieferbar, da der Ökotopia-Verlag die 8. Auflage in Polen drucken ließ und sie wegen Grenzschließung nicht ausgeliefert werden konnte. Generell scheinen mir Buchverkäufe beeinträchtigt, wie das immer zu beobachten ist, wenn die Menschen verunsichert sind. Immerhin: selbst vom Virus betroffen wurde ich nicht, habe zumindest nichts davon bemerkt.

Ansonsten habe ich beruflich einige Praxistipps im Septemberheft der Zeitschrift „Kindergarten heute“ veröffentlich. Und nach einer Anfrage des Beltz-Verlags im November den Text zu einem Set Motivationskarten für Erzieherinnen geschrieben.

Neu ist der Online-Kurs Fantasiereisen in der Kita auf www.psyche-gesundheit-natur.de.

An Buchveröffentlichungen im eigenen Produktions-Verlag Edition Blaue Felder gab es 2020:

* Mexiko – Eine Reise von Yucatán nach Mexiko-Stadt. Texte und Bilder. Vierte, überarbeitete Ausgabe. PapierBuch und eBuch. (Auflage 1-3 gab es nur als eBuch.)

* Vier Schritte zum Schlaf. Anleitung für die beiden ersten Lebensjahre. Nur als eBuch. (Den ganzen Text gibt es auch frei im Netz.)

* Mit Traumreisen entspannen: Das Haus am See. Mit Illustrationen. PapierBuch und eBuch.

* Haiku-Jahrbuch 2019: Honigspur. PapierBuch und eBuch.

* Murmel Mu – Aus den Reden eines Murmeltiers. PapierBuch und eBuch. (Dies ist die dritte veränderte und erweiterte Ausgabe des Titels. Die Ausgaben 1 und 2 erschienen beide 2013 nur als eBuch.)

* Gute Nacht – mit Entspannung und Traumreisen. Mit 34 SW-Illustrationen. PapierBuch und eBuch.

Außerdem habe ich ab September 2020 begonnen, Audio-Alben zu veröffentlichen, alles elektronisch, ohne physikalischen Datenträger, nur für Download und Stream. Einige alte Alben konnten so neu hinaus in die Welt – und einiges Neue entstand:

* Traumreisen zur Entspannung 1. (Das gab es schon als CD.)

* Traumreisen zur Entspannung 2. (Das ist neu.)

* Am Mondsee – Instrumentalmusik zum Einschlafen für Kinder. (Das gab es schon als Teil einer CD.)

* Am Bach – Instrumentalmusik zur Konzentration für Kinder. (Das gab es schon als Teil einer CD.)

* Gute Nacht mit Entspannung und Traumreisen 1. Sieben Traumreisen für Kinder aus dem gleichnamigen Buch.

* Tanz um die Quelle. (Album mit 12 Instrumental zum gleichnamigen Buch von 2017.)

* Tanz der Masken 1. (Das ist ein neues Projekt: Lieder ohne Worte. Einfach so zur Freude.)

* Tanz der Masken 2. (Weitere Lieder ohne Worte.)

Außerdem gab es hier und da Haiku-Veröffentlichungen. Auf Haiku heute habe ich zusätzlich zu den Monatsauswahlen einen Haiku-Wettbewerb durchgeführt. Und war wieder als Juror beim jährlichen japanweiten Haiku-Wettbewerb der Frauenuniversität Kyoto tätig.

An längeren Reisen war Ende Februar eine Rundreise durch Griechenland möglich, zu den klassischen Stätten (mit dem angespannten Blick auf die Nachrichten während der letzten Tage: Kommen wir wieder heim?). Im Sommer, als das Virus überwunden schien, waren wir in Sils Maria wandern und schreiben. Und im Oktober sechs Tage im Kloster auf der Fraueninsel des Chiemsees. Da kamen wir vor der zweiten Runde von Beschränkungen knapp wieder heim.

Ausblick 2021

Für 2021 gibt es allerhand Vorsätze. Ein Buch mit kleinen Texten aus den vergangenen Jahren, meist Reiseimpressionen, ist bereits am 1. Januar 2021 veröffentlicht worden. Ein weiteres wird es wohl im Herbst geben. Und dann vielleicht jährlich eines (Reihe „Bunte Steine“). Das soll mich dazu bringen, mehr Einfälle aufzuschreiben und damit auch den Fluten-Log stärken.

Das Haiku-Jahrbuch 2020 wird wohl im April erscheinen. Ansonsten will ich eine weitere Sammlung Fantasiereisen für Kinder veröffentlichen. Außerdem hoffentlich eine Art Roman mit Rückblick aus dem Jahr 2200 auf unsere Zeit. Und eine Anzahl Audio-Alben, darunter zwei Lieder-Sammlungen.

Drei Präsenzseminare „Entspannungspädagogik für Kinder“ sind geplant. Und ein Haiku-Seminar im Kloster Kirchberg. Außerdem ein Kurs „Imagination und Achtsamkeit für Kinder“ beim Jahrestreffen der Deutschen Gesellschaft für Entspannungsverfahren auf Sylt.

Vor dem Fenster liegt Schnee. Mal schauen, was der Himmel mit allen Plänen macht.

 


Fluten-Log: Aktuell, Archiv: 09, 08, 07, 06, 0504, 03, 02, 01 (ab 07.06.2018)

Weitergewandert
der Schatten, nun sitz ich
im Licht.

Di. 17.09.2002, Albwanderung Tieringen – Dotternhausen, Steinbruch Plettenberg, auf einem Stein sitzend