Fluten-Log

Gelegentlich etwas Neues oder Altes, Text oder Foto, ausgearbeitet oder Notiz. Soweit nicht anders angegeben, sind alle Beiträge von Volker Friebel.

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Montag, 19. August 2019

Wünschelrute

Als Edda am Morgen erwachte, waren alle Farben im Zimmer verblasst. Sie seufzte und stieg langsam aus dem Bett. Sie zog die Gardine zurück und sah durch das Fenster in den Garten. Auch hier sah alles trüb und grau aus. Sogar der Gesang der Vögel klang stumpf und hohl. Edda seufzte noch einmal.

Das Frühstück schmeckte ihr nicht. Sie warf das Brot auf den Teller zurück. Der Vater sah sie an und fragte: „Was ist dir denn für eine Laus über die Leber gelaufen?“ Edda antwortete erst gar nicht.

Onkel Martin, der seit ein paar Tagen zu Besuch war, sah sie an und sagte: „Wünschelrute. – Das ist ein altes Gedicht. Willst du es hören?“

„Nein“, sagte Edda.

„Ja“, sagte Mutter.

Und Onkel Martin sprach mit erhobener Stimme:

„Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.“

„Das ist schön“, sagte Mutter.

„Das ist blöd“, sagte Edda.

„Das habe ich auch mal in der Schule gelernt“, sagte Vater.

Nach dem Frühstück war endlich frei. Edda ging in die Wiesen, um endlich niemanden sehen zu müssen.

Eigentlich hatte ihr das Gedicht gefallen. Mit einer Wünschelrute, das wusste sie, konnte man Wasser unter der Erde finden – oder Gold – oder sonst etwas Wertvolles. Was, das wusste sie nicht mehr genau. Einen Schatz jedenfalls.

Aber was hatte das mit einem Lied zu tun? Das auch noch in allen Dingen schläft?

„Schlüsselblumen“, sprach Edda vor sich hin und hüpfte einmal. Dieser Name hatte ihr schon immer gefallen. Oma hatte einmal gesagt, dass diese Blumen auch „Himmelsschlüssel“ heißen. Das gefiel ihr sogar noch besser.

Edda blieb stehen und hockte sich in die Wiese. Gräser und Blumen. Ein Marienkäfer, der gerade an einem Grashalm hochkletterte. Sie sah eine Weile zu. Eine Fliege summte ihr vor den Augen. Sie stand wieder auf.

Und hockte sich wieder hin. Und versuchte, an einer blauen Blume zu riechen. Und roch ihren süßen Duft.

Eine Schlüsselblume konnte das aber nicht sein. Die waren gelb, wusste Edda.

Sie hielt ein Ohr ganz dicht an die Blume, so dass sie den Kelch sogar einmal berührte – und zurückzuckte. Und es wieder versuchte.

Aber zu hören war nichts. Nur die Laute ringsum. Vom Gras, von den Vögeln, von einem Flugzeug am Himmel, sogar von ihren eigenen Kleidern, wenn sie sich bewegte. Und aus dem Wald etwas Fernes, vielleicht eine Motorsäge. Und von der Siedlung ein Auto.

Und von der Blume die Stille. Irgendwie wurden alle Laute schön, vor dieser Stille, ganz hinten in dieser Stille! Wie es in diese Stille einbrach. Ob die Stille das „Zauberwort“ aus dem Gedicht war? Obwohl sie eben gar kein Wort war, sondern bloß still?

Als Edda nach einer Weile aufstand, war ihr ein Fuß eingeschlafen. Die ersten Schritte hinkte sie noch, dann ging sie schneller, den Wiesenweg hinein in den Vogelgesang.

Die Farben ringsum waren alle kräftig geworden und schön. Und schön waren die Lieder der Vögel.

 

Aus: Volker Friebel (2016): Das singende Kamel. Geschichten für Kinder über das, was wichtig ist. Edition Blaue Felder, Tübingen. Nur als eBuch (epub-Format).

 


Montag, 12. August 2019

Wände aus Vögeln

Waldlichtung, fahl hohe Halme,
Reste vom vorjährigen Gras
wollen noch immer sein.
Darüber das Flugzeuggrollen.
Der Bach im Tal rauscht ganz anders.
Die Wände ringsum
sind aus Vögeln.

Aus: Volker Friebel (2008): Brunnensteine. Gedichte und Haiku. Zweite Ausgabe. Edition Blaue Felder, Tübingen.


Dienstag, 6. August 2019

Das meint Paula!

Man muss sich bewegen, der Gesundheit wegen! Sonst bewegt die sich.

 


Montag, 5. August 2019


Freitag, 2. August 2019

Viele Jahre lang dämmerten die Buntstifte in einer Tüte versteckt im Regal. In meinen Entspannungskursen hatte ich sie oft Kindern ausgeteilt, um etwas zur gelesenen Entspannungsgeschichte zu malen. Ich hatte zugeschaut, ermutigt, abgebrochene Stifte gespitzt, mit Kindern nach vermissten Farben gesucht. Was hat mich nun bloß dazu gebracht, die Stifte aus dem Dunkel wieder ans Licht zu holen, zu spitzen – und selbst zu probieren?

„Entspannungsgeschichten vom Wolkenschloss“, so heißt eine neue Sammlung, an der ich die letzte Zeit schrieb. Vielleicht packte mich der Übermut, weil die Geschichten so große Freude gemacht haben. In den früheren Büchern, bei Rowohlt, Ökotopia, Südwest und anderen Verlagen, waren Illustrationen meistens dabei. Das wollte ich nun auch im eigenen Verlag. Aber jemanden beauftragen? Am liebsten mache ich alles selbst. Die Verlage wollten das nicht, die wollten Profis. Nun erlaube ich es mir einfach – und werde beim Zeichnen wieder Kind. Die Note 4 von der strengen Lehrerin ist vergessen.

 

Volker Friebel (2019): Entspannungsgeschichten vom Wolkenschloss. Edition Blaue Felder, Tübingen. Mit Illustrationen. PapierBuch: 112 Seiten, 14,90 Euro, eBuch (epub-Format): 7,99 Euro.

Dieses Buch enthält eine Serie von Entspannungsgeschichten sowie eine Einführung dazu. Die 25 Geschichten vom Wolkenschloss eignen sich gut für das Vorschul- und Grundschulalter. Die Geschichten können als eigenständige Entspannung vorgetragen werden. Sie können aber auch an das Autogene Training oder die Progressive Muskelrelaxation für Kinder angehängt werden.

Entspannungsgeschichten sind eine ausgezeichnete Weise zur Ergänzung oder zur eigenständigen Durchführung einer Entspannung. Kinder und Erwachsene lieben sie und fördern mit ihnen ganz nebenbei Ruhe, Konzentration, Resilienz.

Die Illustrationen im Buch unterstützen das Lesen.

Bestellung im Buch- und Versandhandel, am schnellsten voraussichtlich im Shop des Druckwerks:


Dienstag, 30. Juli 2019

Lohan‘s Pub in Salthill, dem Unterhaltungsviertel von Galway. Wir nippen an unserem Guinness. Neben dem Klavier ist ein Tisch für Musiker reserviert, sie spielen um freie Getränke. Den Abend über werden es immer mehr.

Eilende Kellnerin.
Am Musikertisch der ‚Neue‘
reibt seinen Bogen.

Irischer Pub.
Das Funkeln im Weinglas
der Geigerin.

Text aus: Volker Friebel (2015): Im ausgewilderten Licht. Orte und Wanderungen. Edition Blaue Felder, Tübingen.


Sonntag, 21. Juli 2019

Das meint Paula!

Der Chef zitierte heute eine Studie, nach der Lerchen, Morgenmenschen, länger leben und gesünder sind. Schön für sie – aber ich Eule bin eine Eule! Was tun? Steh ich nun früher auf? Das liegt nicht in meiner Natur!

Als ich das dem Chef klagte, meinte der: Am gesündesten ist nicht das, was dem Durchschnitt der Menschen entspricht, sondern das, was zu deiner eigenen Natur passt.

Originalartikel: Knutson, Kristen L. & Malcolm von Schantz (2018): Associations between chronotype, morbidity and mortality in the UK Biobank cohort. Chronobiology International, DOI: 10.1080/07420528.2018.1454458


Samstag, 20. Juli 2019

Volker Friebel (2019): Lebensgezeiten. Bilder und Verse. Edition Blaue Felder, Tübingen. Mit 21 Farb-Bildern. PapierBuch: 48 Seiten, 14,00 Euro, pdf-Version frei in der Quelle. Das gedruckte Buch gibt es hier:


Mittwoch, 10. Juli 2019

Der ganze Körper des Vogels gibt diesen Ton, während der Sturzbach rauscht, während Kuhglocken läuten. Wir steigen immer höher. Das Dorf liegt hinter uns. Die Farben der Weiden sind weniger bunt geworden, dafür intensiver. Arnika, ein paar Trollblumen, viele Namen kenne ich nicht. Unscheinbare Bergschmetterlinge. Tief unter uns liegt der See.

Silsersee im Oberengadin, Foto Volker Friebel


Freitag, 5. Juli 2019

Wenn Wasser für Leben steht, steht der See für die Fülle des Lebens. Ein Boot auf dem See. Eine glückselige Insel. Berge spiegeln sich.

Silsersee im Oberengadin, Foto Volker Friebel


Montag, 1. Juli 2019

Weshalb empfinden wir die offene Natur als schön? Das Gebirge etwa, diesen See auf 2.600 Metern Höhe, an dem kaum etwas wächst, auf dem noch im Juli Eisschollen schwimmen. Nichts an ihm und an unserem Empfinden für Schönheit, an unserer Begeisterung hier zu sein, in diesem Himmel zu atmen, hilft uns weiter im Spiel des Lebens. Und trotzdem!

Lej Sgrischus im Oberengadin, Foto Volker Friebel


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