Hallwilersee

von Volker Friebel

449 Meter über dem Meeresspiegel, gelegen kaum 40 Kilometer westlich von Zürich und dem deutlich größeren Zürichsee, bei einer Fläche von 10,3 Quadratkilometern 8,4 Kilometer lang und bis 1,5 Kilometer breit, bis 47 Meter tief: Das sind die Daten des Sees, den wir umwandern wollen. Wir beginnen im Norden, in Seengen, wählen das östliche Seeufer und kommen über das westliche Seeufer zurück. 22 Kilometer sind das, ohne Umwege.

Von Seengen, wenig landein gelegen, führt ein Pfad an den See. Am Rand bemalte Steine. Ein Schild am Boden regt an: „Liebe Kinder, malt doch auch einen Stein bunt an und legt ihn dazu. Mal sehen, wie lange die Steinschlange wird!“

Ist das eine schöne Idee oder Gängelung oder das Klassenzimmer in die wirkliche Welt gesetzt? Wir entscheiden uns wie immer in Zweifelsfällen für die schöne Idee. Steine gibt es genug, Farbstifte haben wir keine dabei. So bewundern wir nur die Steine und ziehen dann weiter.

Bemalte Steine.
Der Schlag kleiner Herzen fest geworden
am Wegrand.

Immer wieder Einstiegstellen in den See, am Seegrund dann Steinplatten, geneigt, ein Stück hinein.

Auch hölzerne Badehäuser, oft privat, doch auch von den Gemeinden. Alles aus einer besseren Zeit. Das Frauenbad ist nun selbst für Männer zugänglich. Es gibt auch ein Männerbad, natürlich kleiner und deutlich weniger schön. Eine Frau zieht sich gerade drin um.

Weinhänge, Weiden. Kleine Bäche laufen zwischen ihnen hinein in den See. Es ist die Zeit der Brombeerblüte.

Elisabeth und Lucia warten, um den nachhinkenden Dichter auf einen Regentropfen aus der Nacht aufmerksam zu machen, der auf einer weißen Feder dümpelnd langsam vergeht.

Unsere Leben,
gespiegelt im Tropfen, der immer noch
liegt.

Wir erhalten Besuch, mein Stift und ich:

Eine Schwebfliege
setzt sich auf meinen Stift, schreibt mit mir
ein Haiku …

Der See zieht sich hin, er ist sehr schön. Einige Haiku und Fotos lassen es ahnen. Doch meine Füße! Früher war ich wohl jünger.

Erlenflaum treibt
übern See. Aus Urzeiten branden
Wellen.

Erlenflaum.
Ein alter Mann im Dorf zupft
an den Rosen.

Seerosen schaukeln
die Zeit. Wir sind geblieben,
sehen was ist.