Blumen und Sand

Volker Friebel (2021): Blumen und Sand. Lieder. Audio-Album. Distributor: MusicHub. EAN: 0406494623501. Laufzeit: 43:11 Minuten.

1 Hör den Jubel 3:45
2 Ein Engel kommt 5:01
3 Hinter den Augen 7:33
4 Sing, Amsel, sing 3:22
5 Ein neuer Morgen im Paradies 4:26
6 Vergessene Wörter 3:42
7 Wer will ich sein in der Welt 4:02
8 Aufgewacht unter Sternen 2:53
9 Schnüre des Regens 4:21
10 Bring den Müll raus 4:01

Veröffentlicht: Mi. 01.09.2021
Text und Musik aller Lieder: Volker Friebel

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Hör den Jubel

Die Amsel singt im Regen.
Ich hör die Sonne darin,
hör das Glück, am Leben zu sein,
hör den Jubel.

Donner, der Himmel bebt.
Erste Panzer strömen zurück in das Land,
geschlagen beim Sturm auf den Horizont.
Fern zucken Blitze.

Stimmen im Radio verbreiten Witze
des Berliner Diktats.
Schalt das Radio ein.
Schalt das Radio ein.

Die Amsel singt immer noch,
singt im Regen, ich hör die Sonne darin,
hör das Glück, am Leben zu sein,
hör den Jubel.

 

Ein Engel kommt

Ein Engel kommt aus der Nacht,
hat Brot und Wein mitgebracht.
Wir küssen uns im Kerzenschein,
mein kahles Zimmer wird zum Hain.
Quellen strömen, Tauben gurren,
im Eck die kleinen Teufel murren.
Papageien wippen, lachen,
und dort schläft ein goldener Drachen.

Wir tanzen still im leeren Raum,
zur Musik aus unserem Traum,
Sind Sterne nicht fern und kalt?
Wir tanzen durch ihren Wald.
Glöckchen klingen, Brunnen fließen,
Nymphen singen, lächeln, schießen
Pfeile ab, mit Eibenbögen,
süßes Gift, aus Liebeströgen.

Wir tanzen noch, das endet nicht,
unterm Mond- und Sternenlicht.
Die Augen schließ, dann siehst du mich
und meine Augen sehen dich.
Wächst die Esche in der Mitte,
rund um sie nun unsere Schritte.
Auf Parkett die Scherben klirren,
und die kleinen Teufel girren.

 

Hinter den Augen

Schließ die Augen, im Sturm,
mitten im Schrei einer Menge,
unterm kalten Blick der Frau auf dem Schirm.
Ein Wald erscheint und der Traum beginnt.

Bäume ächzen, gebeugt vom Sturm.
Doch Teiche aus Vogelliedern.
Ein Eichhörnchen klammert sich an einen Stamm.
Wir sehen uns an wie zwei Kinder.

Auf dem sandigen Grund des Sees
liegt eine Krone. Ich steh am Ufer
und seh wie die Schlange ins Wasser gleitet
und schwimmt, ich seh sie tauchen.

Tauben gurren. Doch mein Herz,
es pocht. Ich hör nur noch Hammerschläge
auf dem Amboss der Welt.
Schlag um Schlag, bis alles zum Hammer wird.

Was hab ich in der Wüste gelernt!
Die Krone gib keinem, der nach ihr greift!
Ich schlag ein Buch auf, les: „Menschen sind Gift“.
Der Dichter sieht in mein Herz.

Wer hat meine Träume verraten?
Wer hat meine Schwingen verbrannt?
Keiner. Rainer. War ich es selbst?
Flügelschläge wirbeln mich fort.

Im Zimmer sitz ich, allein auf dem Boden.
Mein Atem strömt. Ein Schmetterling
setzt sich aufs ungelesene Buch,
klappt seine weißen Flügel auf.

 

Sing, Amsel, sing

Ihr Gefieder ist schwarz,
doch ihr Lied erhellt selbst die dunkelste Nacht.
Die erste Amsel will singen.
Sing, Amsel, sing!

War so schwer auch mein Traum,
ich will fliegen! Doch die dunkele Erde,
sie zieht mich immer nur nieder.
Sing, Amsel, sing!

Auf dem Stacheldraht hockt
eine Krähe, funkelt mich lautlos so an.
Doch ich will nicht mehr nur schweigen.
Sing, Amsel, sing!

Deine Glut, Horizont,
rot ist sie, wie mein Herz, es pocht und will pochen.
Die Liebe hat sich mir versprochen.
Sing, Amsel, sing!

Deine Augen sind tief,
deine Augen setzen das Dunkel in Brand.
Nur Liebe kann uns tragen.
Sing, Amsel, sing!

 

Ein neuer Morgen im Paradies

Du lässt mich spüren,
dass ich lebe.
Du lässt mich spüren,
dass die Erde schön sein kann.
Ein neuer Morgen
im Paradies.

Hörst du die Vögel singen?
Siehst du im Osten die Dämmerung?
Im Garten der Kirschbaum:
Heute öffnen sich seine Knospen.

Du lässt mich spüren,
dass mein Herz schlägt.
Du lässt mich spüren,
dass es gut ist, Mensch zu sein.
Ein neuer Morgen
im Paradies.

Lass uns im Garten sitzen,
einfach so sein mit den Gräsern,
den Vögeln lauschen, gar nichts tun,
nur uns selbst vertrauen.

 

Vergessene Wörter

Vergessene Wörter:
Demut.
Milde.
Sehnsucht.

Das Tor ist geöffnet,
ins Arbeitslager strömen die Frauen.
Die Männer sind lange schon da,
denn Arbeit macht frei.
Der Kanzler schmust mit dem Luftballon.
An den Goldbarren fressen Ratten sich satt.
Die Schiffe sind fort gesegelt.
Der Horizont: ein geschlossener Reif.

Vergessene Wörter:
Schwermut.
Gnade.
Stolz.

Die Werbung will Schokolade,
die Werbung will schnelle Kurven,
will Motoren, will Unterhaltung
und Drogen, leicht soll es sein.
Schminken kannst du dein Spiegelgesicht,
dein Herz nicht,
das zerbricht
im befohlenen Licht,
den Quellen fern,
auf einem schwer befestigten Stern.

Vergessene Wörter:
Demut.
Milde.
Sehnsucht.

 

Wer will ich sein in der Welt

Wer will ich sein in der Welt?
Ein Puppenspieler, der hinterm Vorhang
an Strippen zieht?
Ein Star, der vor einer Kamera
lächelt und schwänzelt?
Ein Uniformierter in den letzten Tagen
des müden Imperiums?
Ein Opfer, von der Meute zertreten
im quietschenden Matsch?

Wer will ich sein in der Welt?
Ein Jäger, der im Wald das tut, was ihm
das Amt in der Stadt verbietet?
Ein Maurer, der heute wie jeden Tag
Stein fest auf Stein setzt?
Eine Ballerina, die in vollkommenen Kreisen
der Erde zu entschweben versucht?
Ein entkommener Bär, der sich im Unterholz
seine blutigen Wunden leckt?

Wer will ich sein in der Welt?
Wer ich sein will, ist, wer ich bin,
wer ich eigentlich bin.

 

Aufgewacht unter Sternen

Aufgewacht unter Sternen,
eine Nachtigall singt.
Ob es an einem jener Strände
auch so klingt?
Ich denke an meine Liebe,
ich schlendere am Meer unserer Zeit.
Ein paar Atemzüge
im Atem der Ewigkeit.

Aufgewacht unter Sternen,
was so schwer schien, ist leicht,
leicht wie das Lied, das durch Mauern
mich erreicht.
Ich denke an unsere Liebe,
ich träume am Meer unserer Zeit.
Ein paar Atemzüge
im Atem der Ewigkeit.

 

Schnüre des Regens

Nacht im Zimmer, die Kerze flackert,
ich hab ein Lied von der Liebe gemacht.
Auf dem Boden ruht nun die Gitarre,
und Schatten tanzen an der Wand.

Längst Verstorbene mit hellen Gesichtern
schauen mich an. Die Frau wird meine
Großmutter sein, kurz nach der Flucht,
den langen Rock gerafft, in der Fremde.

Dort ist die uralte Dichterin,
sie ringt um ein Wort in der Ewigkeit.
Und schweigend wie immer und dunkel mein Vater.
Die Mutter mit halb erhobenem Blick.

Die Blasse war meine erste Liebe.
Wie leicht sie nun ist. Und trug so schwer
an den Schatten der Engel. Ihre Tränen
wurden zu Wasser und Licht.

Der Philosoph rastet hoch im Gebirge,
wir schweigen und betrachten den See.
Über den Wolken: Ein Kind ohne Namen
schaut durch das Fenster des Schlosses hinaus.

Sinn zu gründen, vermag heut kein Weiser,
Sinn zu stiften, kein Dichter.
Da sind nur die fallenden Schnüre des Regens,
ihr Blitzen im Licht.

Schwingen schlagen, ein Wind geht durchs Zimmer,
vom Nichts in das Nichts.
Kinder sind wir und haben zusammen
gespielt und gelacht, zwischen Blumen und Sand.

 

Bring den Müll raus

Blüten duften in der Stadt,
der Vollmond ging schon unter.
Früher lebte hier ein Volk,
das ritt auf Walen durch die Luft.
Und wenn es tanzte, tanzten auch
die Mäuse und die Spatzen.
Bring den Müll raus!

Türme wachsen hoch ins Blau.
Sie bauen immer weiter.
Früher sprach hier eine Frau
mit allen Tieren auf dem Feld.
Vom Brot gab sie dem kleinen Volk
gerechten Anteil gerne.
Bring den Müll raus!

Mond und Sterne treiben rasch
durch das Gerüst im Himmel.
Steine rieseln, decken bald
die Erde, füllen Seen auf.
Die Welt ist alt, dein Leben kurz,
und ewig blühen Blüten.
Bring den Müll raus!

 


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