Dr. Volker Friebel
Im Folgenden zehn Übungen zur persönlichen Stärkung durch Fließen und Vertiefung. Das entspricht Säule 2 des PERMA-Modells von Martin Seligman, mit Bezug auf Mihaly Csikszentmihalyi und sein Konzept des „Flow“ (Fließen). Die Übungen können unabhängig voneinander und vom Modell verwendet werden.
1. Stärken erkennen: Versuchen Sie, sich über Ihre Stärken im Klaren zu werden. Beobachten Sie sich dazu einen Tag lang. Was für Stärken (wie Kreativität, Neugier, Kritisches Denken, Mut, Beharrlichkeit, Tatendrang, Liebe, Freundlichkeit, Gerechtigkeit, Vorsicht, Dankbarkeit, Humor … weitere Stärken im VIA-System der Charakterstärken) haben Sie gezeigt und eingesetzt, mit welchem Ergebnis? Am besten, Sie notieren das einen Tag lang fortlaufend und betrachten sowie reflektieren das Ergebnis am Abend.
2. Stärken neu anwenden: Was sind Ihre fünf größten Stärken (siehe das VIA-System der Charakterstärken von Peterson und Martin Seligman)? Wenden Sie eine davon auf eine neue Weise an.
3. Optimale Schwierigkeit: Überlegen Sie sich eine Aufgabe, eine Herausforderung, die Sie als zu leicht oder als zu schwer empfinden. Verändern Sie die Schwierigkeit der Aufgabe so, dass Sie Ihnen nun machbar und trotzdem interessant erscheint.
4. Passung von Aufgaben: Überlegen Sie, mit welchen privaten und beruflichen Aufgaben Sie konfrontiert sind. Verändern Sie (möglichst schriftlich festgehalten) diese Aufgaben so, dass Sie Ihre Stärken besser einbringen können und die Aufgaben und ihre Arbeit für Sie sinnvoller werden.
5. Stärken-Aktivität: Führen Sie jede Woche eine Aktivität durch, bei der Sie Ihre größte Stärke einsetzen können. Wenn Ihre größte Stärke Neugier sein sollte, besuchen Sie dazu einen neuen Ort oder lernen Sie etwas Neues. Wenn diese Stärke Kreativität sein sollte, geben Sie ihr in dieser Woche mindestens einmal freien und weiten Raum.
6. Flow-Analyse: Notieren Sie eine Woche lang Ihre Aktivitäten. Bei welcher davon erleben Sie Vertiefung oder „Flow“ und vergessen dabei Raum und Zeit? Haben diese Aktivitäten gemeinsame Merkmale? Können Sie diese ausweiten und besser in Ihren Alltag integrieren?
7. Lernziele: Fragen Sie sich beim Beginn einer neuen Tätigkeit weniger „Was muss ich tun?“ und stattdessen „Was kann ich dabei lernen?“. So fördern Sie Lernbereitschaft und intrinsische Motivation.
8. Kreativität herausfordern: Setzen Sie bei der Lösung eines Problems zusätzliche Herausforderungen, etwa: Es darf nur wenig kosten, alle müssen es nachvollziehen können. Beschränkungen fordern besonders heraus und führen manchmal auf neue Wege.
9. Beharrlich und kurz: Nehmen Sie sich eine Aufgabe vor, die Sie schon lange vor sich herschieben. Arbeiten Sie täglich daran – aber immer nur 15 Minuten. Das senkt die Schwelle zu beginnen und erhöht die Beharrlichkeit.
10. Unvollkommenheit zulassen: Wählen Sie eine Aufgabe, vor der Sie Respekt haben, weil Sie die Gefahr des Versagens als hoch einschätzen. Gehen Sie diese Aufgabe an – aber erlauben Sie sich in einem ersten Durchlauf, dass Ihre Arbeit unvollkommen, grob oder – wenn es nicht anders geht – sogar schlecht ist. Arbeiten Sie erst in weiteren Durchgängen daran, Ihr Ergebnis zu verbessern. Das senkt die Schwelle zu beginnen und fördert Mut bei der Durchführung.
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