Jedermannsrecht

Das Flüstern eines Birkenwalds
in der zitternden Luft.

 

Auf Norwegisch heißt es „allemannsretten“, ist tief in Kultur und Gesetzgebung verankert und meint das Recht alle Menschen, sich frei in der freien Natur zu bewegen (nicht also auf Ackerland oder umzäunten Grundstücken), solange andere Menschen und Tiere und Pflanzen nicht geschädigt oder belästigt werden. Das geht über die gesetzlich geregelten Zugangsrechte in anderen Ländern hinaus und verbindet sie mit einer Ethik des Respekts vor der Natur und den Rechten anderer.

Da kommen auch wir her. Wo aber sind wir? In der Aufteilung, Privatisierung, unsere Allmende ist der Kauf von Aktien der Hersteller von Stacheldrahtzäunen.

Und ist es denn falsch, dass einzelne Menschen ein Stück Land besser bestellen, als eine „Gemeinschaft“ es könnte? Natürlich, wenn die Menschen immer mehr werden, das Land aber nicht, stoßen sich ihre Interessen. Und sie nehmen mehr, als das Land geben kann. Und versuchen, wenn etwas überlastet wird, in seiner Ausbeutung einander zuvorzukommen. Und das Land wird zur Wüste.

Bereits im 15. und 16. Jahrhundert eigneten sich Adlige Teile der Allmende an, des von den Dorfgemeinschaften gemeinsam genutzten Landes. Im folgenden Bauernkrieg forderten März 1525 die zwölf Artikel von Memmingen deshalb unter anderem das Recht auf Jagd und Fischerei sowie freien Holzeinschlag zurück.

Agrarreformen im 18. und 19. Jahrhundert beseitigten die Allmende im deutschsprachigen Raum endgültig, das gemeinschaftlich genutzte Land wurde aufgeteilt oder an Großgrundbesitzer verkauft. Kleinbauern verloren ihre Existenzgrundlage. Heute bleibt uns der Himmel, die Atemluft. Doch bereits das Übernachten unter freiem Himmel verstößt gegen das Gesetz.

Es gibt Gegenbewegungen. Die Natur haben wir weitgehend verloren, in der Maximierung ihrer Ausbeutung, auch in der Sorge um sie. Aber freie Programme, Datenbanken mit freiem Wissen … Die Freiheit zieht sich immer weiter zurück, in das Kleine, das Ungreifbare, in das Schwingen der Moleküle.

 

Text: Volker Friebel