Fluten-Log – Archiv 15

Gelegentlich etwas Neues oder Altes, Text oder Foto oder Musik, ausgearbeitet oder Notiz. Soweit nicht anders angegeben, stammen alle Beiträge von Volker Friebel.

Fluten-Log: Aktuell, Archiv: 15, 14, 13, 12, 11, 10, 09, 08, 07, 06, 0504, 03, 02, 01 (ab 07.06.2018)

 


Sonntag, 28. August 2022

Auf dem Ipf bei Bopfingen.

Bergaufstieg.
Als ich höher schaue: Schwalben
und Licht.

Plateau auf dem Ipf.
Schon vor uns angekommen –
Gräser.

Da waren wir schon mal, vor Jahren, im tiefsten Winter. Und wanderten weiter nach Neresheim. Ich schrieb einen Text dazu: Winterwanderung vom Ipf nach Neresheim.

 


Freitag, 26. August 2022

Zum Hambacher Schloss –
die Brombeeren am Weg,
alle vertrocknet.

Wir wandern von Neustadt an der Weinstraße, wie wohl die meisten Festbesucher damals, im Jahr 1832. Ich betrachte die Brombeeren und frage mich, ob das etwas mit den damaligen Ereignissen zu tun hat. Und fürchte fast: Ja.

 


Dienstag, 23. August 2022

Zwei Tage sind wir hier, für zwei Wanderungen. Dazwischen sitz ich am Marktplatz und schaue in das Licht.

Müde vom Wandern

Am Marktplatz Rothenburg ob der Tauber
ein alter Brunnen, zerstört
von den endlosen Angriffen
des Lichts und des Regens.
Darüber der Himmel, über den schönen,
den hässlichen Werken der Menschen,
undefinierbar, weil eben er es ist,
der alles andere definiert, der das Maß ist,
gegen das gehalten
sich jeder Wert erst zeigt.

Müde bin ich vom Wandern
und sinne in die träge Luft eines Sommermittags,
unter Irrenden von keinem Wissen berührt.
Die Pflastersteine hätten vielleicht
einiges zu sagen dazu.
Aber sie schweigen.

 


Dienstag, 23. August 2022

Heute erschien ein neues Audio-Album mit 10 Liedern:

Volker Friebel (2022): Im Rauschen. Lieder. Audio-Album. Edition Blaue Felder (LC 99060), Distributor: MusicHub. EAN: 0406494693702. Laufzeit: 40:25 Minuten.

1 Fahnen im Wind 3:57
2 Unter der Kreuzung 3:48
3 Todes-Tanz 4:40
4 Zeichen des Himmels 5:03
5 Ton aus der Sonne 3:54
6 Das Strömen 3:31
7 Essigtrinker 4:06
8 Sein Herz der Welt 3:25
9 Der Vogel 3:25
10 Leuchten 4:32

Die Lieder erschienen schon einzeln als Singles, etwas anders gesetzt. Am einfachsten zu hören sind sie auf meinem Audio-Kanal bei YouTube: https://www.youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_nPaM4_V2MCFYytJM2Zhjkf82VJKC5VYZk
Oder eben bei den anderen Vertrieben und Streamingdiensten.
Was mir selbst am besten gefällt? Vielleicht „Leuchten“. Oder „Zeichen des Himmels“.

 


Sonntag, 21. August 2022

Gerade überarbeite ich alte Verse für eine neue Ausgabe. Dabei fand ich:

Feldweg bei Meßkirch

[…]

11

Die Wahrheit steht orthogonal zu den Kämpfenden,
zur Ebene, die sie mit ihren Geschützen eröffnet haben,
vor Zeiten. Die zerren an dir, dich hineinzuziehen.
In begradigten Flüssen strömt immer noch Wasser.
Gold ist nur wert in der Pfanne, als Korn unter Körnern,
es schmilzt in den Barren dahin.
Das Wachstum ist unter dem Himmel gesegnet.
Wo der Himmel ist?
Der Kampfpilot sieht nur Wolken
und die Krümmung der Welt.

[…]

Aus: Volker Friebel (2010): Zonen der Kampfjets. Gedichte und Haiku.

 


Mittwoch, 17. August 2022

Regen beginnt. Wellenkreise entstehen auf dem Spiegel des Weihers im Wald, weiten sich schnell, vergehen gleich wieder. Wie selbstverständlich ich die Kreise auf der Oberfläche des Wassers sehe und nicht an der Unterseite des Himmels, wo sie doch auch sind.

Das Blätterdach über der Bank hält mich trocken. Die ab und zu durchdringenden Tropfen halten mich aufmerksam. Es ist ein schönes Geräusch, das das Rauschen des Brunnens neben der Bank immer mehr in sich aufnimmt und schon alle Welt erfüllt.

Nur die Lärmfahne dieses Flugzeugs dringt eine Minute hindurch. Und, nur schwach, das Klacken der Tasten, wenn ich Buchstaben eingebe.

 


Donnerstag, 11. August 2022

Vielleicht gehen wir diesen Weg zum ersten Mal im Sommer: Nach einem Abstecher zum Kloster Hirsau ein Gruß der Plastik Knulps in Calw, dann den Wanderweg hoch in den Wald, am Gimpelstein vorbei, auch vorbei am Calwer Schafott, zu den Krokuswiesen bei Zavelstein. Für die es aber deutlich zu spät ist. Die Trockenheit hat alles Gras fahl gebrannt. Hinter der Burg von Zavelstein dann den Pfad ins Tal nach Bad Teinach. Elisabeth nahm an einer Führung in der Kirche teil, vor allem zur Kabbalistischen Lehrtafel aus dem Jahr 1663, Volker erholte sich währenddessen im Kurpark, zeitweise unter der persönlichen Anleitung von Sebastian Kneipp. Und dann ging es noch ein paar Kilometer weiter zur Bahnstation. Selbst hier im Nordschwarzwald stiegen die Temperaturen heute auf +28 Grad Celsius.

Der Himmel
erreicht wieder das Gras.
Klosterruine.

Calw-Hirsau, Klostergelände

Kneipp-Anlage –
Muslima, die Röcke gerafft,
lachend …

Wasserbecken.
Vor dem trinkenden Schmetterling
eine Kneipp-Statue.

Ich will nicht viel berichten, diese eigenen Haiku aus der Wanderung mögen genügen. Aber ich setze einen alten Text über einen Teil dieser sehr schönen Wanderung ins Netz:

Knulps Augen – Wanderung von Calw zu den Krokuswiesen bei Zavelstein: Aus Im ausgewilderten Licht (2015).

 


Montag, 8. August 2022

Aus einer Wanderung von Esslingen den Höhenweg nach Uhlbach. Eigentlich wollten wir an den Bodensee. Aber der Zug fiel aus, wegen Reparatur.

Stoppelfeld.
Mit den Tauben fliegt auf
all das verlorene Korn.

 


Sonntag, 7. August 2022

Prinz Vogelfrei hüpft auf Steinen über den Waldbach. „Hopp, hopp, hopp und hopp!“ Am anderen Ufer blickt er zurück in das Strömen.

„Teilen die Wasser das Land oder verbinden sie es?“, murmelt er.

Eine Forelle springt und schnappt sich eine unvor­sichtige Mücke.

„Der Himmel liegt über allen Wassern und Ufern, er jedenfalls verbindet alles“, zirpt Hofmeister Grille in seinem Beutel.

„Aber Frieden hat man nicht einmal dort.“ Prinz Vogelfrei seufzt.

 

Aus: Volker Friebel (2021): Wunderbar. Bunte Steine. Edition Blaue Felder, Tübingen.

 


Sonntag, 31. Juli 2022

Rast auf dem Rückweg von den Geologischen Orgelpfeifen nach Ottobeuren.

Auf dem Waldweg sitzt eine Bremse, versucht aufzufliegen, landet nach kurzem Flügelschnarren wieder auf dem Schotter, versucht es aufs Neue, wieder und wieder.

Ihr Flügel scheint beschädigt. Wahrscheinlich hat sie jemanden zu stechen versucht und einen Schlag abbekommen. Für das Stechen ist sie gemacht. Für das Geschlagen werden nicht.

Ein Bach murmelt. Von der Landstraße gelegentlich Motorengeräusche. Als ich nach einer Weile wieder nach der Bremse sehe, finde ich sie nicht mehr. Eines der unzähligen Schicksale der Erde. Der Mensch, der sie schlug, ist längst weitergegangen, er weiß nichts von ihr. Sein Schlag hat keine Spur hinterlassen in ihm, nur ihr Stich.

 


Sonntag, 31. Juli 2022

Ein milder alter Mann – auf einem Waldweg irgendwo hinter Ottobeuren im Unterallgäu kommt er uns mit seinem Wanderstock entgegen. Er geht sehr langsam. Er nickt zum Gruß. Das Lächeln auf seinem Gesicht war schon vorher da …

Zum vollständigen Text, mit Fotos: Wanderung zu den Geologischen Orgeln.

 


Montag, 25. Juli 2022

Nur knapp 90 Meter überragt der Kornbühl die Hochebene am Albtrauf bei Salmendingen, das sieht an seinem Fuß nicht besonders beeindruckend aus. Weithin berühmt ist der Zeugenberg mit der Salmedinger St. Anna Kapelle trotzdem, wegen der Aussicht, die sich von seinem Gipfel aus bietet, sie geht über die Hochfläche der Alb und über das Neckarvorland unter dem Albtrauf.

Wir sind von der Jugendherberge Erpfingen hierher gewandert, wo wir nach einer Theateraufführung des Lindenhof in der Burgruine Melchingen übernachteten (dazwischen eine schöne Nachtwanderung durch den Wald). Selbst auf der Alb stieg das Thermometer bis auf +32 Grad Celsius. Hier einige Fotos und Notizen, aus denen vielleicht einmal Haiku werden.

Wanderfreiheit.
Schmetterlinge kreuzen
unseren festen Weg.

Auf dem Kornbühl –
ein Windstoß wirft den Schmetterling
höher.

Gemähte Wiesen.
Plastiksäcke voll Gras
und Grashüpfer.

Sommerwind.
Der Staub der Wandererschritte
weht fort.

Der Kornbühl von der Alb kommend.
Salmendingen vom Kornbühl aus.
Heuballen vom Kornbühl aus.

 


Montag, 25. Juli 2022

Heute erschien ein Audio-Album mit fünf alten Tanzstücken, leicht bearbeitet:

Volker Friebel (2022): Gang zur Quelle. Instrumental. Audio-Album. Edition Blaue Felder (LC 99060), Distributor: MusicHub. EAN: 0406494685783. Laufzeit: 21:49 Minuten.

1 Gang zur Quelle 4:24
2 Sonnentag 4:32
3 Gewitterwind 5:05
4 Im Eichhörnchenwald 3:49
5 Himmelsblick 3:56

Erhältlich bei den verschiedenen Vertrieben, auch auf meinem Audio-Kanal bei YouTune (dort nach dem Album schauen):
https://www.youtube.com/channel/UCa9r52JGr9BVzUg6PTWFFAg/playlists

 


Freitag, 22. Juli 2022

Wellenkreise.
Flügelschläge
eines Waldschmetterlings.

Ein Sommermorgen am Waldsee. Die leichte Bewegung des Grüns dieser Rohrkolben im kaum wahrnehmbaren Wind. Es ist eher ein Schwanken der Luft über dem See als Wind.

Ein Blässhuhn taucht, ab und zu summt ein Insekt vorbei, wenige Vögel pfeifen in den hohen Bäumen ringsum einzelne Töne, jeder für sich. Gelegentlich dröhnt ein Flugzeug durch den Himmel. Urlaubsflieger aus Stuttgart. Die Schönheit hier kennen sie kaum.

Auch ich saß schon in einem Sessel über den Wolken und sah auf das Land hinab – und ich werde wieder dort sitzen. Die Ruhelosigkeit des Menschen.

Wir könnten so viel lernen, von den Grashalmen, von den Seen und Bächen, von den Vögeln. Doch wir lernen nur von anderen Menschen. Das bringt uns Wasser und Brot und Etagenwohnungen hoch über dem Boden. Denn bei dem, was Menschen wissen, geht es fast immer um Geld. Aber daran wachsen wir nicht.

Auch die Gräser wachsen nicht mehr. Auch sie lernen wahrscheinlich, wenn überhaupt, nur von sich selbst. Nur im Lernen voneinander kämen wir weiter.

 


Donnerstag, 21. Juli 2022

Eine Wanderung durch das Monbachtal bei Bad Liebenzell (Nordschwarzwald).

Am Wasserfall
tanzen Mücken.
Ein Stein brummt.

Ein Insekt,
aufsteigend vom Wasserfall
zu den Wolken.

Der Bogen einer Mücke
am Wasserfall. Das fallende
Licht.

 


Samstag, 16. Juli 2022

Alle Windungen
des Labyrinths findet das Licht.
Erste Brombeeren.

 


Freitag, 8. Juli 2022

Neu erschienen ist heute : Volker Friebel (2022): Seminar Kloster Kirchberg 2021 – 7 Haiku. Edition Blaue Felder. Audio, 4:01 Minuten. Zu hören bei den Streamingdiensten, der Link führt zu einer Auswahl der Dienste:
https://listen.music-hub.com/ooGFhG
Oder über den Audio-Kanal von Volker Friebel auf YouTube:
https://www.youtube.com/channel/UCa9r52JGr9BVzUg6PTWFFAg/playlists
Das sind sieben meiner auf diesem schönen Seminar entstandenen Haiku, unterlegt mit Naturgeräuschen (nicht von dort) und einer durch die Texte inspirierte Gitarrenimprovisation.

 


Donnerstag, 7. Juli 2022

Das Foto zeigt die Aussicht von der ehemaligen Burg auf der Halbinsel Chasté am Silsersee bei Sils Maria.

 


Dienstag, 5. Juli 2022

Ein neues Lied ist erschienen, „Leuchten“. Hier ein Link zu einer Auswahl an Hörmöglichkeiten:
https://MusicHub.lnk.to/uLJV4T

Wie alle Audios ist es aber auch auf meinem Audio-Kanal bei YouTube zu finden :
https://www.youtube.com/channel/UCa9r52JGr9BVzUg6PTWFFAg/playlists

Eine Lerche steigt auf
und singt von der Sonne.
Den Panzer ließen sie vor Jahren zurück,
der rostet nun im selben Licht,
das die Grashalme trinken,
das die Augen der Liebenden
leuchten lässt.

Ein einsamer Pfad am Fluss,
ein Felsblock am Ufer des Sees,
den die Wellen nur manchmal erreichen,
ein Kuss bei Nacht in der Stadt,
auf einer Kreuzung im Mondlicht,
das die Augen der Liebenden
leuchten lässt.

All das Leid, auch das Glück,
es bewegt sich im Herzschlag,
bewegt sich mit jedem Atemzug,
den wir tun, auch wenn mit jedem
von ihnen durch uns der Himmel strömt
und die Augen der Liebenden
leuchten.

Der Text entstand auf einer Zugfahrt am 1. Juni 2022, die Melodie mit der Aufnahme am 6. Juni 2022, die Bearbeitung wurde abgeschlossen und das Stück zur Veröffentlichung hochgeladen am 21. Juni 2022. So schnell kann es gehen.

 


Montag, 4. Juli 2022

„Den Regen hören – 8 Haiku“ ist erschienen. Das sind Texte aus dem Jahr 2003, gesprochen und klangunterlegt. Ich setze mal einen Link her, auf dem man wählen kann, wo man das hören will. Mindestens bei YouTube sollte es möglich sein, ohne dass man ein Konto dort hat:

https://MusicHub.lnk.to/WZYz3N

 


Samstag, 2. Juli 2022

Eine Rundwanderung um den Silsersee im Oberengadin.

Murmeltierpfiffe.
In mein Herz weht
der Bergwind.

 


Donnerstag, 30. Juni 2022

Schon vor einigen Tagen ist das Lied „Der Vogel“ erschienen, heute folgt „Todes-Tanz“. Zu hören sind sie bei den Streamingdiensten, auch bei YouTube. Hier die Adresse meines Audio-Kanals dort:

https://www.youtube.com/channel/UCa9r52JGr9BVzUg6PTWFFAg/playlists

Am 1. Juli erscheint „Leuchtturm am Meer – Innere Bilder zum leichteren Einschlafen“. Das ist eine lange Fantasiereise, klangunterlegt, zum leichteren Einschlafen für Jugendliche und Erwachsene. Ich setze mal den Smartlink, über den das anwählbar ist (kommt aber auch oben bei YouTube):

https://MusicHub.lnk.to/CvKOZP

 


Donnerstag, 23. Juni 2022

Der Tai Shan

[…]

In einer Pagode am Abhang dürfen wir die große Friedensglocke anschlagen und tun damit, wer weiß, vielleicht etwas Gutes für die Welt.

Etwa sechs Millionen Menschen jährlich besuchen den Tai Shan. Wie viele davon schon die Glocke ertönen ließen? Der Friede scheint immer blasser zu werden.

Vielleicht können unsere Nachfolger es besser.

Nach dem Läuten der Friedensglocke –
wir stehen
in der zitternden Luft.

Zum vollständigen Text

Aus: Volker Friebel (2015): Im ausgewilderten Licht. Orte und Wanderungen. Edition Blaue Felder, Tübingen.

 


Dienstag, 14. Juni 2022

Das Lied „Zeichen des Himmels“ ist erschienen. Ich werde für die Album-Version zwar noch einiges ändern, aber es gefällt mir so schon recht gut. In YouTube findet es sich auf meinem Audio-Kanal:
https://www.youtube.com/channel/UCa9r52JGr9BVzUg6PTWFFAg/playlists
Und auch auf Spotify, iTunes, Amazon, Deezer …

 


Freitag, 10. Juni 2022

In Münsingen fragt Elisabeth eine Frau, die gerade in ihr Auto einsteigen möchte, nach dem besten Weg auf den Beutenlay. Sie lädt uns ein, mitzufahren, setzt uns bei den Zelten und Wagen der Hopfenburg ab. „Das ist das Land“, sage ich. Eigentlich dürfte man, folgte man dem aktuellen Diskurs, mindestens Tipis und Jurten, womöglich auch diese Bauwagen, nicht mehr verwenden, wegen des Verdachts der kulturellen Aneignung. Wir unterhalten uns über die Neigung intellektueller Kultur zum Wahnsinn und woher das nur kommen mag und finden sie schön. Die Neigung von gutmeinenden Menschen, selbst Natur in ein Klassenzimmer zu verwandeln, hat Vorteile, gerne lese ich die Schilder an etlichen der exotischen Bäume. Zwar habe ich den Verdacht, dass ihre Samen gar nicht gefragt wurden, ob sie hier wachsen wollen, höre allerdings keine Proteste. Das mag daran liegen, dass ich die Sprachen der Bäume nicht wirklich verstehe. Die Stimmen der Vögel scheinen mir hier in den Kronen der vielen verschiedenen Bäume vielfältiger als anderswo.

Arboretum,
Reich der Bäume, durchwoben
von Vogelstimmen.

 


Donnerstag, 9. Juni 2022

Eine Wanderung, auf der Alb beginnend, die lange Allee zwischen Gestütshof und Fohlenhof St. Johann, dann die Treppen am Uracher Wasserfall hinab und am Bach entlang (der mündet dann irgendwo in die Erms) bis zum Thermalbad. Wir gingen das oft.

Schwalbenflügel –
fast berühren sie die Wogen
des Weizens.

Am Wasserfall
Treppen, mit Mondviolen,
Erinnerungen.

 


Mittwoch, 8. Juni 2022

Beim Gang durch Bad Cannstatt zum Altenburgheim, wo ich einst meinen Zivildienst ableistete, sehen wir etwas, das ich für eine lebendige Straßenszene halte: Menschen stehen, plaudern, sitzen auf Hocker vor einer bunten Hauszeile. „Das ist eine Schlange“, sagt Elisabeth, und wir versuchen, ihren Anfang zu entdecken. Es ist die Tafel Bad Cannstatt. Die Schlange ist sehr lang.

Am schön renovierten Altersheim zeige ich Elisabeth, wo vor Zeiten das Zimmer des Zivildienstlers im Personalstock unter dem Dach lag. Da sind nun große Fenster, offenbar mit größeren Wohnungen dahinter. Mit einer Leiter konnte man damals aufs Kiesdach steigen. Das ginge auch heute noch. Mindestens einmal machten wir das auch, ich erinnere mich vage an Gelächter, an Wein und meine Gitarre.

Durch Baustellen kämpfen wir uns in den Rosensteinpark, um die Wilhelma herum (die Schreie der Tiere hörte ich damals von meinem Fenster aus). Was für ein schöner, weitläufiger Park. Neben dem Rosengarten rasten wir im Schatten von großen Platanen. Und wandern bald die lange Allee zum Hauptbahnhof Stuttgart. So wenige Menschen sind hier im Grünen der Stadt. Ich las, der Mensch habe sich im flachen Küstengewässer entwickelt. Oder in der Savanne. Aber ich finde, er hat eine ganz besondere Beziehung zum Stein.

 


(Pfingst-) Montag, 6. Juni 2022

Am Pfad auf den Zeugenberg kümmert ein wilder Baum, wir strecken unsere Hände aus: Die ersten Kirschen sind süß. Schafe blöken. Die Luft ist kühler geworden nach dem gestrigen Unwetter. An der alten Linde beginnt der Hangwald.

Während anderswo Bomben detonieren und Gewehre knattern, im Jemen etwa, in der Ukraine, in mehreren afrikanischen Ländern. Während überall Leid um Leid erfahren wird, auch bei uns.

Wäre die Welt freundlicher, so wäre das besser für alles Leben in ihr, die Menschen wären glücklicher. Glückliche Menschen verursachen weniger Leid. So will ich lächeln und mein Gesicht nach der Sonne drehen und nicht in den Schatten.

 


Mittwoch, 1. Juni 2022

Wir wandern am Bodensee von Langenargen nach Lindau. Ich notiere Haiku und fotografiere. Wir waren mit Bedenken losgefahren, hatten Menschenmassen erwartet, aber es ist erstaunlich ruhig und wunderschön.

Malereck.
Die Wellen des Sees
nicht festzuhalten.

Maisreihen,
überflutet
vom Duft des Sees.

Um Ufer des Sees
ein Marienbild.
Kormorane.

 


Fluten-Log: Aktuell, Archiv: 15, 14, 13, 12, 11, 10, 09, 08, 07, 06, 0504, 03, 02, 01 (ab 07.06.2018)


 

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