Fluten-Log – Archiv 03

Gelegentlich etwas Neues oder Altes, Text oder Foto, ausgearbeitet oder Notiz. Soweit nicht anders angegeben, sind alle Beiträge von Volker Friebel.

Fluten-Log: Aktuell

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Fluten-Log: Archiv 01 (2018-06 bis 2018-10)

 


Montag, 24. Juni 2019

Ein neues Buch: Volker Friebel (2019): Lebensgezeiten. Bilder und Verse. Edition Blaue Felder, Tübingen. Mit 21 Farb-Bildern. PapierBuch: 48 Seiten, 14,00 Euro, pdf-Version frei in der Quelle.

Mein erstes Buch, bei dem das Bild im Vordergrund steht: 21 Haiga, Bild-Text-Kombinationen, mit 21 Texten in Versform, die auf die Haiga Bezug nehmen.

Bestellung des PapierBuchs nur über den Buchhandel, am besten über das Druckwerk:


Samstag, 22. Juni 2019

Das meint Paula!

„Der Mensch ist nur dann an Leib und Seele gesund, wenn ihm alle seine Verrichtungen, geistige und körperliche, zum Spiele werden.“ Das schrieb Christoph Martin Wieland (1733-1813).


Freitag, 21. Juni 2019

„Verstehst du, weshalb die Menschen von Jahr zu Jahr schneller werden?“, zwitschert Anton.

„Wieso schneller?“, zwitschert Karl zurück.

„Na, die Autos werden schneller, die Musik wird schneller, die Menschen gehen sogar immer schneller – vor allem auf dem Weg zur Arbeit“, behauptet Anton.

„Das kommt wahrscheinlich daher, dass sie es hinter sich bringen wollen“, tschilpt Karl.

„Was denn hinter sich?“, tschilpt Anton.

„Das Sitzen im Auto, das Hören der Musik, die Arbeit“, zählt Karl auf.

„Ein Glück, dass wir Spatzen sind“, zwitschert Anton. „Auf der Scheune sitz ich so gern – ich will das gar nicht hinter mich bringen!“

„Ein Glück, dass wir Spatzen sind“, pflichtet Karl ihm bei. „Auf der Scheune sitzen wir langsam.“

 

Aus: Volker Friebel (2018): Anton und Karl – Spatzengeplauder für Kindsköpfe. Edition Blaue Felder, Tübingen; nur als eBuch.


Sonntag, 16. Juni 2019

Das meint Paula!

Entspannung, Entspannung? Es geht nicht darum, immer entspannt zu sein, es geht um Spannungsregulation, um die Fähigkeit sich zu entspannen oder sich zu konzentrieren, je nachdem, was gerade gefragt ist. Das wissen wir Eulen schon immer.


Samstag, 15. Juni 2019

Aus einem Buch über Naturerleben und Gesundheit, an dem ich gerade schreibe:

Viele Früchte, Gräser, Kräuter der Natur enthalten Substanzen, die heilsam sind. Wir wollen uns hier aber nicht ihnen, sondern unserem Erleben der Natur zuwenden, dem Aufenthalt in ihr, ihrem Einfluss auf uns, wenn wir sie mit unseren Sinnen wahrnehmen.

Ausgangspunkt für den Einfluss von Naturerleben auf die Gesundheit ist eine Veröffentlichung des Architekturprofessors Roger Ulrich. Seine sorgsam aufgebaute und durchgeführte Studie verglich Patienten nach einer Gallenblasen-Operation im Krankenhaus. Die Hälfte der Patienten hatte einen Blick auf eine wenig attraktive Backsteinwand, die andere Hälfte sah auf eine Baumgruppe. Die Patienten mit der schönen Aussicht benötigten statistisch signifikant weniger Schmerzmittel und konnten früher entlassen werden. Andere Studien bestätigten und ergänzten diese Ergebnisse.

So wurde ermittelt (nach Flade 2018), dass Mittagspausen in grünen Umgebungen erholsamer sind, dass ein Blick aus dem Fenster auf Grün oder ein Spaziergang durch Grün erholsamer ist als jeweils nicht-grüne Umgebungen. Auch die Leistungsfähigkeit etwa der Konzentration wird durch grüne Umgebungen besser wieder hergestellt als durch andere Umgebungen. Bilder von Natur sind danach ähnlich günstig wie der Anblick von „echter“ Natur oder die Bewegung in „echter“ Natur.

Menschen wissen das eigentlich selbst. So zeigte eine Studie, dass es Menschen, die sich lediglich vorstellen, erschöpft zu sein, mehr zu einem Spaziergang in der Natur als in städtischer Umgebung zieht, mit der Vorstellung, dass sie bereits gut erholt sind, wollten sie dagegen weniger in die Natur.

Natur, der Blick auf sie, der Kontakt mit ihr, heilt.

Weshalb ist das so? Was an dem, das Natur ist, heilt? Wir wissen es nicht wirklich. Vermutlich kommt mehreres zusammen. Was kann das sein?

Betrachten statt Handeln: Natur verlangt nichts von uns. Wir kommen aus dem Reagieren und Agieren, das in der menschlichen Welt vorherrscht, in ein ruhiges Betrachten. Das entspannt, die Ausschüttung von Stress-Hormonen reduziert sich.

◊ Langsamkeit: Bewegungen in der Natur sind weit überwiegend langsam und für uns ungefährlich. Das beruhigt unser Kampf-/Flucht-System. In früheren Jahrhunderten war das nicht unbedingt so, Natur konnte damals auch rau und gefährlich sein – heute und in unseren Landen nicht mehr. Das ist entspannend. Gefährdung ist eher im Getriebe der Stadt.

◊ Breite der Aufmerksamkeit: In der Natur gibt es in der Regel eine Vielzahl von Sinneswahrnehmungen, die in der Wertigkeit eher nebeneinander stehen, als dass eines sehr dominant hervorstechen würde. Da ist gleichzeitig ein leichter Wind, da sind wechselnde Düfte, vielleicht Blätterrauschen, Flugzeuge in der Himmelsferne, Vogelstimmen … In städtischer Umgebung gibt es auch viele Sinneswahrnehmungen gleichzeitig, in der Regel sticht eines für uns an Wichtigkeit aber klar hervor. Naturumgebung fördert so eher eine breite Achtsamkeit, Menschenumgebung eine enge Aufmerksamkeit. Achtsamkeit gilt als Gesundmacher und bringt Kraft. Aufmerksamkeit ist an und für sich nicht „ungesund“. Muss sie aber fortwährend aufrecht erhalten werden, erschöpft sie und kostet Kraft.

◊ Faszination der Wirklichkeit: Die Konkretheit von Sonne, Gras, Wind, Vogelstimmen, fließendem Wasser kann uns aus den oft abstrakten oder jedenfalls weniger klar fassbaren Zuständen und Problemen des Alltags holen und erden, an einer anderen Wirklichkeit, die auch da ist.

◊ Abstand: In der Natur sind wir – in der Regel – in einem größeren Abstand zu den Problemen, die wir zu Hause haben, als wenn wir eben zu Hause sind. Einerseits können wir uns so von ihnen erholen, andererseits kann gerade in einem veränderten Abstand ein Problem sich verändern, kann es anders eingeschätzt werden, können überraschende Lösungen auftauchen, aus dem Gesang der Vögel, dem Rauschen des Wassers, dem Anblick der Bäume, der Weite des Himmels und dem, was all das mit uns macht.

◊ Luft und Sonne: In der Regel ist die Luft in der Natur besser als in Menschenumgebung. Und das Licht heller. Das wirkt stimmungsaufhellend und dürfte auch die Gesundheit fördern.

◊ Geborgenheit: In der Wissenschaft wird darüber spekuliert, inwieweit Natur in unseren Genen verankert ist. Für viele Menschen ist Natur jedenfalls wie ein Nachhausekommen, auch wenn sie in städtischer Umgebung aufgewachsen sind. Genetische Grundlage oder nicht: Wir verbinden mit Natur tendenziell Geborgenheit.

Eine Verbindung von Gesundheit und Natur wird von den Menschen (noch) wenig assoziiert. Als wichtig bei Krankheit sehen Menschen in Umfragen eher sterile keimfreie Räume, sie denken weniger an Grün (Gras, Blätter) oder Blau (Gewässer), die beiden vorherrschenden Farben der Natur-Umgebungen. Das zeigt ein gutes Verhältnis zu unserer allerdings gut entwickelten technischen Medizin. Es zeigt aber auch, dass ein für die Gesundheit wichtiger Bereich unterbelichtet wird: Die eigenen Kräfte der Gesundung.

Tatsächlich kann die Medizin in fast allen Bereichen nur eine Unterstützung für das bieten, was der Körper von selbst leistet. Wir schienen etwa einen Knochenbruch – doch die Selbstheilungskräfte des Körpers erst lassen die Knochen wieder zusammenwachsen. Die Schienung ist eine notwendige Bedingung. Welche Kräfte unterstützen unsere Selbstheilungskräfte aber bei der eigentlichen Gesundung, dem Zusammenwachsen der Knochen? Wir nehmen Medikamente gegen Bluthochdruck, Schmerzen, Über- oder Unterfunktionen von Organen. Die Medikamente lassen uns nicht durch Zauberwerk gesunden, sie setzen nicht bei Null an, sondern greifen in die schon vorhandenen Funktionen des Körpers ein, stellen eine verloren gegangene Balance wieder her.

Körperfunktionen lassen sich auch anders beeinflussen als durch Medikamente.

Wenn ich mich aufs Sofa lege und die Augen schließe, beeinflusse ich damit bereits meinen Organismus. Atmung und Herzschlag verlangsamen sich, die Muskulatur entspannt sich, Ruhe- und Erholungsfunktionen werden aktiviert.

Wenn ich auf dem Sofa liegend an einen Streit denke, beeinflusse ich auch damit meinen Organismus: Puls und Atmung beschleunigen sich etwas, Hormone werden ausgeschüttet und stellen einen Stresszustand her, die Muskulatur spannt sich etwas an.

Fast alles, was wir tun, erschöpft sich nicht in unseren Handlungen, sondern hat Einfluss auch auf unseren Organismus.

[…]

 


Mittwoch, 12. Juni 2019

Video Vier Holunder-Haiku auf YouTube.

 


Dienstag, 11. Juni 2019

Video Drei Mohn-Haiku auf YouTube.

 


Donnerstag, 6. Juni 2019

Sylt, Lister Land, an einem nebligen Apriltag.

Veröffentlicht in Haiga im Focus (Netzseiten von Claudia Brefeld), Auswahl Juni 2019.

 


Sonntag, 2. Juni 2019

Eine Übung aus unserem Buch zum Kurs Entspannungspädagogik für Kinder.  Im Kurs stellen wir Möglichkeiten zur Entspannung für Kinder vor. Auch einige spielerische Übungen dieser Art. Hier geht es vor allem um schneller und vor allem wieder langsamer werden, also den Bewegungsdrang besser unter Selbstkontrolle zu bekommen.

 

Schwertransporter

Die Kinder stehen im Kreis. Wir spielen Schwertransporter, die Planierraupen zur Baustelle bringen.

* Jedes Kind spielt einen leeren Schwertransporter. Wir stehen beim Bauunternehmer. Motoren starten! Jeder nimmt eine Planierraupe auf. Die ist schwer! Wir gehen kurz in die Knie – und wieder hoch. Langsam, ganz langsam rollen wir mit unserer schweren Last los.

* Die Ausfahrt auf die Straße – besonders langsam und vorsichtig!

* Auf der Straße werden wir schneller. Aber nicht zu schnell, wegen unserer schweren Last.

* Eine Ampel, Rot – wir halten an und warten.

* Grün – losfahren, auf die Auffahrt zur Schnellstraße.

* Auf der Schnellstraße nehmen wir Fahrt auf. Wir haben uns schon verspätet, also lassen wir die Räder rollen.

* Ein Stau! Wir werden ganz langsam. So tuckern wir dahin.

* Der Stau löst sich auf, wir werden wieder schneller.

* Schnellstraßenausfahrt. Wir werden langsam und biegen auf die Landstraße ab.

* Auf der Landstraße geht es gemütlich dahin – aber vorsichtig, denn sie ist schmal und holprig. Ab und zu schüttelt es uns durch.

* Einfahrt zur Baustelle. Wir werden ganz, ganz langsam. So vorsichtig es geht, fahren wir auf das Baugelände.

* Angekommen! Wir halten. Die Planierraupen werden abgeladen – in die Knie gehen, und wieder aufrichten. Das haben wir gut gemacht! Alle Schwertransporter haben ihre Ladung wohlbehalten abgeliefert.

 


Sonntag, 12. Mai 2019

Nun sind wir eine Woche von List auf Sylt zurück. Hier eines der letzten Fotos, vom Ellenbogen, dem nördlichsten Gebiet Deutschlands, immer eine schöne Fahrt auf den mitgenommenen Falträdern:

 


Montag, 22. April 2019

Geräusche im Zimmer

Die Mutter hat gerufen: Essenszeit. Emil setzt sich auf seinen Platz im Esszimmer und schaut, was es gibt.

Sein Kinderzimmer ist nun leer. Wenn jemand in ihm wäre, vielleicht könnte er dann riechen, was die Mutter gekocht hat und was sie nun drüben im Esszimmer verspeisen … Vielleicht könnte er auch den Duft der Bücher im Regal riechen … Oder das frisch gewaschene Bettzeug … Oder gar nichts Bestimmtes, nur etwa die Wärme der Luft …

In der Mitte des Zimmers steht die Trommel, die Emil vom Flohmarkt mitgebracht hat. Vorhin hat sie unter Emils Händen viele Laute von sich gegeben. Nun ist sie stumm …

Auch vieles um die Trommel herum ist nun stumm und hat doch vor kurzem noch Laute von sich gegeben …

Die Bücher im Regal haben geknistert, als Emil in ihnen geblättert hat …

Eddie, der Hase aus Plüsch, hat Geräusche gemacht, als Emil ihm über das Fell strich …

Das Bett hat Geräusche gemacht, als Emil in ihm lag und schlief und eigentlich alles sehr ruhig war … Aber bei jeder Bewegung Emils waren dann eben doch die Geräusche des Betts und der Bettdecke …

Am Fenster summt manchmal eine Fliege auf der Suche nach einem Weg hinaus – aber das ist ein anderes Geräusch, das gar nichts mit Emil zu tun hat … das nur mit der Fliege zu tun hat, die hinaus will, und mit der Fensterscheibe, die sie daran hindert …

Einmal hat Emil das Fenster geöffnet, als er so eine Fliege sah, und die Fliege ist aus dem Fenster geflogen. Das war dann nicht mehr das Geräusch von Fensterscheibe und Fliege, sondern von Himmel und Fliege …

Dieses Geräusch hat Emil gut gefallen – und dieses Geräusch hatte dann doch wieder mit Emil zu tun, auch wenn es die Fliege gemacht hat. Aber er, Emil, hat das Fenster aufgetan, damit sie dieses Geräusch machen konnte …

Gerade aber gibt es gar keine Geräusche im Zimmer. Außer das Geräusch der warmen, zitternden Luft vielleicht … Oder das Geräusch der tanzenden Staubflocken, das auch so fein ist, dass niemand es hört …

Ab und zu gibt es ein Geräusch aus den Wänden oder ein Geräusch von nebenan, wenn dort etwas so laut ist, dass es durch die Wände dringt … Vielleicht ist jetzt ab und zu etwas aus dem Esszimmer zu hören, wo Emil und die Eltern und seine Schwestern noch immer essen … Wenn jemand spricht oder wenn das Geschirr klappert …

Er wäre manchmal schön, wenn man einmal einfach die Augen schließen und lauschen könnte, auf die Geräusche, die dauernd da sind …

Es wäre manchmal schön, wenn man erraten könnte, was für Geräusche das sind …

 

Traumreise aus: Volker Friebel (2017): Tanz um die Quelle. Meditative Tänze mit Kindern. Mit Traumreisen, Geschichten, Spielen und Liedern. Buch mit Zugängen zu den 12 Musikstücken der Tänze sowie zu Tanzvideos. Edition Blaue Felder, Tübingen.

 


Montag, 1. April 2019

Veröffentlichung in Haiga im Focus (Netzseiten von Claudia Brefeld), Auswahl April 2019.

 


Sonntag, 24. März 2019

 

Zwei Spatzen sitzen im Apfelbaum und spähen durchs Fenster in die Küche von Lehmanns.

„Die Emma kocht!“, zwitschert Anton

„Der Kochtopf kocht“, widerspricht Karl.

„Die Suppe im Kochtopf von Emma kocht“, präzisiert Anton.

„Wir Spatzen werden die Menschen nie verstehen“, sinniert Karl. „Wie man sein Futter durch Kochen verderben kann!“

„Sie glauben, es wird besser dadurch“, piept Anton.

„Ich habe auch mal von einem verbrannten Regenwurm gekostet, letztes Jahr, nach dem Feuer am Wiesenrain. Ich kann dir sagen: Die Menschen irren!“, doziert Karl und schüttelt die Flügel.

Jetzt hüpfen die beiden auf ihrem Zweig auf und ab, denn die Emma hat sich beim Kosten verbrannt.

„Viel zu heiß, sie muss die Suppe wegschütten“, piept Anton.

Und sie flattern davon, Fliegen jagen.

 

Aus: Volker Friebel (2018): Anton und Karl – Spatzengeplauder für Kindsköpfe. Edition Blaue Felder, Tübingen; nur als eBuch.

 


Dienstag, 12. März 2019

Ein Tagesausflug ins Wolfstal bei Lauterach, Obere Donau, zur Blüte der Märzenbecher.

 


Donnerstag, 7. März 2019

Das Haiku ist Gegenwartsdichtung. Es hat seinen Ort in der Zeit und im Raum. Da liegt es nahe, dass mit der Zeit, wenn viele dichten, ein großes Archiv von Texten zu gleichen Zeiten und Orten erstellt wird, zum Frühling, zum Mond, zum Waldweiher, zu bestimmten Städten, Landschaften, Flüssen, Bergen.

Besondere Orte, zu denen schon Gedichte erhalten sind, werden im Japanischen Uta-Makura genannt. Uta heißt Gedicht, Makura Kopfkissen, zusammen lässt es sich übertragen als Gedichtkopfkissen. Gemeint sind Orte, die von früheren Gedichten vertraut und wert gemacht wurden, dass man sein Haupt hier wie auf einem Kopfkissen betten kann. Und vielleicht ein neues Gedicht hinzufügt. Es wird immer ein neues sein, denn jeder Mensch wird jeden Ort verschieden erleben, selbst derselbe Mensch wird einen Ort verschieden erleben, wenn er ihn zu verschiedenen Zeiten besucht.

In Japan hat es Tradition, zu solchen besonderen schon früher bedichteten Orten zu wandern und sie neu zu erleben. Wie das bei Traditionen so ist, kann es auch belächelt werden. Bashōs berühmtes Buch „Auf schmalen Pfaden durchs Hinterland“ ist der Bericht einer solchen Dichterreise.

Auch die europäische Kultur kennt solche Reisen. Es ist der Pilgerweg. Traditionell stehen hier nicht Schönheit und Dichtung im Vordergrund, sondern der Versuch, dem Göttlichen nahe zu kommen durch die Anstrengung einer Reise zu heiligen Stätten.

In der Hochzeit des Glaubens durchzog ein Netz von viel begangenen Pilgerwegen Europa. Mit der Säkularisierung verfiel es zunächst, die Flüsse wurden zu Rinnsalen – um dann wieder anzuschwellen. Heute sind die Herbergen des Jakobswegs überfüllt.

Für einige Pilger geht es wie damals um Glaubensfragen. Die große Mehrzahl hat andere Gründe für ihre Pilgerschaft, will sich über persönliche Fragen klar werden, über ein einschneidendes Ereignis hinwegkommen oder einfach die Natur erleben und wandern.

So liegt es nahe, dass auch bei uns sich zu bestimmten Landschaften und Orten ein Gedächtnis an Gedichten aufbauen wird, die dort entstanden sind oder sie zum Thema haben. Dass auch mit Haiku die Welt und das Leben gefeiert werden und die Erinnerung an die Falten der Zeit und die vielen Augen, die kurz aus ihnen hervorblinzeln.

Aus einem Buch zum Haiku, an dem ich gerade schreibe.

 


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