Volker Friebel
Frühstück im großen, verwinkelten Restaurant des Hotels Panorama, wir sitzen direkt an der offenen Gebäudefront hoch über dem Tal. Schwalben schlagen Zacken, manche kreisen ein Stück unter uns. Eine fällt von oben die Front des Hotels hinab, witscht dicht über dem Grund weiter.
Verhaltene Gespräche der Gäste vor Konservenmusik: Dieselben hymnisch-melancholischen Lieder hörten wir schon in Hurghada, mit denselben vier sich wiederholenden Akkorden, die auch ich so gern spiele.
Das Arrangement ist perfekt, die Sängerin artikuliert makellos, mit einem leicht individuellen Ausdruck, der Berechnung einer KI, Merkmal von Produzentenmusik beliebig austauschbaren Personals oder Zeichen hoher Kunst sein kann. Die Sprache der Lyrik erkenne ich nicht. Ist es US-Amerikanisch oder Albanisch? Was nahe legt, auch über dem Klappern des Bestecks, dass es gleichgültig ist.
Am Eingang des Restaurants steht ein Bär, ausgestopft, mit halb geöffnetem Maul und einem abgerissenen Ohr. Sein jammervoller Blick ist der meine, an diesem wunderbaren Morgen der sich immer weiter fortschreibenden Katastrophe unserer Welt.
Perlen steigen im Sekt.
Ich summe in ihr Platzen ein Lied
für uns.