Volker Friebel: Siehst du die Hörner?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1 Gib mir 2:48                                       mp3        wav
2 Essig zu Wein 4:13                              mp3        wav
3 Segeln 3:52                                        mp3        wav
4 Die Zigeuner sind fort 4:56                 mp3        wav
5 Parolen des Hasses 1:50                      mp3        wav
6 Überm Gartenhaus der Mond 4:11       mp3        wav
7 Sing, Nachtigall 2:58                            mp3        wav
8 Sterne bauen 4:30                               mp3        wav
9 Schwanenflügel 6:11                           mp3        wav
10 Siehst du die Hörner? 5:01                 mp3        wav

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Künstlername: Volker Friebel.
Album: Siehst du die Hörner?
Text und Musik: Volker Friebel.
Veröffentlichung: 9. Juli 2021.
Distributor: MusicHub.
Album EAN: 0406494619344.
Alle Stücke sind bei der Gema gemeldet.
Bei allen Stücken ist der ISRC eingearbeitet.
Kontakt: post@volker-friebel.de

 

Texte

Gib mir

Gib mir Erde,
für einen Platz zum Stehen,
gib mir den Stein,
um mich fest zu fühlen,
gib mir die Sonne
und das Flüstern des Lichts –
aber bitte,
nimm mir mein Herz!

Gib mir einen Fluss,
um den Drang zu spüren,
gib mir ein Staubkorn
für das Vergehen der Zeit,
gib mir ein Meer
für den Rhythmus des Blutes –
aber bitte,
nimm mir mein Herz!

Gib mir den Apfel
für die Süße des Lebens,
gib mir Salz
für die Würze in ihm,
gib mir die Leiter,
um auf Wolken zu reiten –
aber bitte,
nimm mir mein Herz!

Gib mir Sterne,
um die Weite zu spüren,
gib mir den Schmetterling
für einen Traum,
gib mir die Rose
und den Duft ihrer Liebe –
aber bitte,
nimm mir mein Herz!

 

Essig zu Wein

Die Schwermut wandelt
mir allen Essig in Wein,
weil ich jubeln muss, weil nur der Jubel
mich heilen kann.

Ein Mensch. Eine Mücke über dem Ozean.
Das einzige Feste war vor Tagen
der Rücken eines Wals, der bald
spurlos verschwand, in blaue Tiefe.

Eine Blume. Ein Vogellied.
Der stille Mond, der schwerelos
über dunklen Wäldern steigt.

Ein Mensch, ein anderer Mensch,
und jeder ist ein Spiegel sich selbst.
Und jeder tanzt im leeren Raum,
ganz für sich.

Ein Stern – ein weiterer Stern,
immer mehr Sterne. Ein Himmel, mit Sternen
hell übersät. Und jeder ist ein Signal
aus unerreichbarer Ferne.

Die Schwermut wandelt
mir allen Essig in Wein,
weil ich jubeln muss, weil nur der Jubel
mich heilen kann.

 

Segeln

Hast du auf mich an den Mühlen gewartet?
Am Motorlärmen rollt Wasser vorbei.
Lass ein Boot uns bauen und segeln,
bis ans Ende der Welt!

Segeln im Wind und gegen den Wind –
lass uns segeln! Die Wolken ziehen
über uns hin. Der Horizont
wird nie offener sein. Lass uns segeln!

Hörst du die Glöckchen? Sie klingen für uns.
Ein Vogel hat auf den Mast sich gesetzt,
lass uns segeln! Die Welt ist ein Traum
und die Fische sind stumm. Lass uns segeln!

Segeln im Wind und gegen den Wind –
lass uns segeln! Die Sonne geht unter,
die Sonne geht auf. Wir kommen immer
nach Hause zurück. Lass uns segeln!

 

Die Zigeuner sind fort

Die Zigeuner sind fort,
selbst das Wort ist verfehmt.
Wohin bläst dieser Wind, dieser Wind?

Manche liegen begraben am Fluss
oder in den Bergen, in der Nähe des Sees.
Andere sind eins geworden mit der Wolke
am Horizont, die nie näher kommt
und sich nie ganz verzieht.

Die Zigeuner sind fort,
selbst das Wort ist verfehmt.
Wohin bläst dieser Wind, dieser Wind?

Manche warten in Baracken am Stadtrand
noch auf ihre Papiere mit neuen Namen.
Andere haben eine Wohnung bezogen
und scherzen nun mit der Chef-Sekretärin
in der Kantine.

Die Zigeuner sind fort,
selbst das Wort ist verfehmt.
Wohin bläst dieser Wind, dieser Wind?

Ich will meine Schuhe schnüren
und wandern, eine Feder im Haar.
Ich will kein Lied mehr singen, das nicht
im Augenblick ist, will alles
verhallen lassen im Wind, diesem Wind.

Registriert, integriert,
in den Mühlen gut geschmiert,
angeheuert und besteuert,
Zucker, Zucker – und gefeuert,
in der Falle, wie wir alle
gleichgeschaltet, gut verwaltet,
dass nie ein Lied von Freiheit lockt,
dass nie der Gang der Mühlen stockt.
Im Wind, diesem Wind, diesem Wind …

 

Parolen des Hasses

Die Amsel singt im Regen.
Der Duft von Rosen schwebt schwer überm Platz.
Die Spuren der Liebenden sind schon vergangen,
hinter den Parolen des Hasses.

 

Überm Gartenhaus der Mond

Überm Gartenhaus der Mond.
Ganz allein am dunklen Fenster,
seh ich schwerelos ihn schweben,
über meiner eignen Schwere.

Überm See im Park der Mond.
Gieß dein Licht über die Rosen,
gieß es in den Traum des Vogels,
unruhig zittern seine Flügel.

Überm stillen Fluss der Mond.
Gieß dein Licht über das Schachspiel,
das im Park verlassen wartet,
bei der Statue des Dichters.

Überm Häusermeer der Mond.
Gieß dein Licht über das Krumme
und das Grade, ihre Träume
soll der Morgen dann entwirren.

Überm Fenstermeer der Mond.
Gieß dein Licht über das Gute
und das Böse, ihre Träume
soll der Morgen dann erlösen.

Überm Gartenhaus der Mond.
Eine Katze auf der Mauer
schaut ihn an und schließt die Augen,
brummt im Traum, Schnurrhaare zittern.

Überm Gartenhaus der Mond.

 

Sing, Nachtigall!

Über dunklen Häusern
schwebt der Mond.
Aus seinem Duft zirpen Grillen
die ganze Nacht.
Sing, Nachtigall!

Ist jemand zu Hause?
Brennt noch ein Licht
in dieser Nacht,
in der alles vergeht?
Sing Nachtigall!

Unter dem Dach ein Zimmer,
sie schreibt im Kerzenschein
an ihre Liebe, unter Sternen
das einzige Licht.
Sing, Nachtigall!

Am Horizont ein Wabern,
ein Streifen aus Glut,
ein Streifen aus Blut,
die Sonne will steigen.
Haltet sie nicht
mit euren Netzen der Angst!
Sing Nachtigall!

 

Sterne bauen

Liebste, wir wollen Sterne bauen,
wir bauen Sterne und den Mond.

Die Nacht ist tief, kein Licht, nur unsre Augen,
nur dieses Funkeln tief in uns.
Die Nacht ist tief, und undurchdringlich lasten
die Wolken schwer auf aller Welt.
Sieh mich an, sieh mich an!

Liebste, wir wollen Sterne bauen,
wir bauen Sterne und den Mond.

Die Tage sind so bleiern, Nebel liegen
um jedes Haus und jedes Wort.
Kommandostimmen aus der Festung stöhnen,
verwandeln jedes Grün in Braun.
Sieh mich an, sieh mich an!

Liebste, wir wollen Sterne bauen,
wir bauen Sterne und den Mond.

Lass uns das Leben sanft berühren, Liebste,
dann zeigt es seine Schönheit ganz.
Nur ein paar Tränen, ein paar Lichtmomente,
nur einen Kuss und einen Tanz.
Sieh mich an, sieh mich an!

Liebste, wir wollen Sterne bauen,
wir bauen Sterne und den Mond.

 

Schwanenflügel

Lang ist die Nacht,
aus Schokolade und Tränen,
vor dem Fenster der Mühlen Geknirsch.
Doch hinter den Lidern grünt der einfache Klee,
der Glück genug hat für eine Welt.
Hinter den Lidern grünt ein Grashalm,
der seinen Platz nie verlassen wird
und trotzdem tanzt,
mit dem Wind.

Die Schwanenflügel berühren
das Wasser nicht lang, wenn er aufsteigt
und alle Schatten unter sich lässt
und fliegt, den Bergen zu
und dem Meer.

Weißt du noch, Liebste,
wie wir das Gebirge erstiegen, wie wir saßen,
am See? Ich summte ein Lied,
du legtest dich nieder und schliefst.
Weißt du noch, Liebste,
wie wir der Sonne Atem
und dem Atem des Schnees begegneten?
Weißt du noch?

Die Schwanenflügel berühren
das Wasser nicht lang, wenn er aufsteigt
und alle Schatten unter sich lässt
und fliegt, den Bergen zu
und dem Meer.

Sag nicht ein Wort! Lass uns singen!
Nur eine Feder fällt zurück auf den See.
Der Mond besiegt die Schwerkraft
der Erde auch heute.
Träume verändern die Welt – und der Zorn.
Doch nur aus der Liebe erhebt sich der Stern
und erschafft die Welt neu.

Die Schwanenflügel berühren
das Wasser nicht lang, wenn er aufsteigt
und alle Schatten unter sich lässt
und fliegt, den Bergen zu
und dem Meer.

 

Siehst du die Hörner?

Siehst du die Hörner?
Wir haben den Schädel
auf einen Pfahl gesteckt.
Es war ein prächtiger Gott,
wenn er schrie, zitterten Berge.

Siehst du die Hörner?
In die Augenhöhlen lassen wir später
Juwelen ein.
Siehst du die Hörner?

Laster karren die heiligen Bäume
aus dem Hain in das Sägewerk.
Wir haben Äxte geschwungen,
haben getanzt und gelacht.
Unsere Motorsägen knattern noch immer,
dem Horizont zu. Eine Kuckucksuhr.
Holzspielzeug für die Kinder.
Masten für das Schiff,
das zur Sonne segeln soll,
wenn sie versinkt, um anzulanden
an ihr goldenes Schloss.
Wir werden es stürmen
und plündern.

Siehst du die Hörner?
Wir haben den Schädel
auf einen Pfahl gesteckt.
Es war ein prächtiger Gott,
wenn er schrie, zitterten Berge.
Doch diese Welt
gehört uns Menschen.